Radpolo als Freizeitsport mit dem Rad

Radpolo ist nicht nur für leidenschaftliche Radfahrer und Teamsport-Enthusiasten ein echter Geheim-Tipp. Wer in der Freizeit mit Freunden gerne mal einen coolen neuen Sport testet, sollte unbedingt mal Radpolo ausprobieren!

Sonne, 4 Radfahrer und Gelächter an der Spree: auf der großteils leeren Wiese jagen zwei bärtige Radler mit Schläger dem Ball hinterher, eine Frau fängt den Ball mit dem Hinterrad ihres Rades ab und schlägt ihn gekonnt in ein provisorisches Tor. Schon das Zuschauen macht Lust, sich selbst auf den Drahtesel zu schwingen und mitzumachen. Und das geht nicht nur mir so!

Urban Radpolo erobert gerade New York und in Städten wie Berlin, Karlsruhe und München springen die Ersten aufs Rad und greifen zum Schläger. Dabei ist dieser Teamsport gar nicht neu – schon im 19. Jahrhundert wurde er in Irland erfunden und wird in Irland und England genau wie klassisches Polo zu Pferde leidenschaftlich gespielt. Lange Zeit wurde Radpolo vor allem von Frauen in Sporthallen gespielt – und jetzt, von Fahrradkurieren neu entdeckt, wird es zum urbanen Sporttrend!

Hier erfährst du, wie du Radpolo mit wenig Aufwand an vielen Orten spielen kannst. Es gibt ein festes Regelwerk für Profis, das regional unterschiedlich ist. Aber mit den hier beschriebenen vereinfachten, allgemeinen Regeln kann jeder Radpolo ausprobieren ohne lange Regelbücher wälzen zu müssen! Sie orientieren sich frei an den anerkannten London Hardcourt Bike Polo Association Regeln.

Radpolo – radeln, abwehren, punkten

Spielerzahl: Teams mit 2, 3 oder 4 Radpolo-Spielern

Equipment: Fahrräder, Schläger (wir nahmen Krocket-Schläger), Ball mit etwa 80 mm Durchmesser und Tor-Markierungen

Ort: Wiesen, Sportplätze, Parkplätze, freie Flächen

Dauer: 30 Minuten je Spiel oder beliebig

Anforderung: gute Radfahrer, Fairness, guter Gleichgewichtssinn

Spielziel: Den Ball 5 Mal ins gegnerische Tor befördern oder in 30 Minuten die meisten Tore schießen.

Radpolo kombiniert Elemente vom Radball und Polo, dass man auf Pferden reitend spielt. Ein Team mit jeweils 2 oder 3 Spielern fährt dabei mit Schlägern ausgerüstet einem Ball hinterher und versucht diesen geschickt ins gegnerische Tor zu schießen. Das versuchen die gegnerischen Spieler natürlich zu verhindern und fangen ihn mit ihren Radreifen und geschickten Fahrmanövern ab. Wer sicher und gut Rad fahren kann, ist bei diesem Sport im Vorteil!

So geht Radpolo

Radpolo ist ein Freizeitsport mit Freunden für die Halle oder draußen
Von Jonny Hunter (CC BY 2.0)

Zwei Mannschaften mit je 2, 3 oder 4 Spielern auf Rädern stehen sich gegenüber auf einem rechteckigen Rasenplatz wie einem Fußballfeld oder in einer Halle. Idealerweise ist die Fläche nicht kleiner als 30 m x 15 m.

Das Spielfeld und die Mittellinie markiert man Outdoor am Besten mit Sprühkreide. Auf Höhe der Mittellinie bringt man an beiden Seiten sogenannte Tab Outs an, das sind z.B. 2 Plastikflaschen oder eine Hupe, die man an einer Schnur z.B. an einem Markierungshütchen befestigt. Am Ende jedes Spielfelds stellt man in die Mitte im Abstand von etwa 1,80 m je 2 Pilone – sie markieren die Torhöhe mit ihren Spitzen.

Bei Spielbeginn liegt der Ball in der Mitte auf der Mittellinie und alle Polospieler befinden sich auf der Höhe der Torlinie. Man ruft laut: 3-2-1-Polo! und das ist das Startsignal, bei dem alle Füße auf den Pedalen sein müssen. Während des Spiels dürfen die Füße den Boden nicht ungestraft berühren und er darf sich nicht mit dem Fuß auf etwas horizontal abstützen! Passiert dies doch (dab oder foot down), so ist der Spieler aus dem Spiel und darf sich solange in keiner Weise am Spiel beteiligen, bis er zu der Seitenlinie gefahren ist und das Tab Out abgeschlagen oder gehupt hat.

Nun fahren die Radpolo-Spieler in die Mitte, versuchen den Ball zu erobern und sich Richtung Gegentor zuzuspielen. Das angreifende Team darf dabei die Mittellinie nur überfahren, wenn mindestens ein Spieler des anderen Teams in seiner Hälfte ist, sonst bekommt das gegnerische Team den Ballbesitz. Der Spieler in Ballbesitz führt den Ball mit den Schlägerenden seines Schlägers oder mit der Seite. Er muss den Ball einem anderen Spieler zupassen, bevor das Team einen Torschuss wagen kann – sonst bekommt das gegnerische Team den Ballbesitz zugesprochen. Ein Radpolospiel ist in 4 Viertel unterteilt, die jeweils 7,5 Minuten gehen – es geht insgesamt also 30 Minuten. Das Team, das zuerst 5 Tore hat bzw. die meisten Tore nach 30 Minuten geschossen hat, gewinnt.

Bei Unklarheiten kommt der Ball wieder auf die Mittellinie und es erfolgt ein neuer Start.

Die Tore

Tor beim Radpolo spielen
Von Jonny Hunter (CC BY 2.0)

Tore darf man nur mit den Enden des Schlägerkopfs schießen. Wenn ein Spieler den Ball mit dem Schlägerkopf ins Tor schiebt (Wrist Shot) oder mit dem Schlägerkopf hineinschaufelt (Scoop Shot) sind die Tore ungültig. Im normalen Spielverlauf dürfen sich die Spieler aber die Bälle mit Wrist Shots und Scoop Shots zupassen.

Schießt oder schiebt man den Ball mit der breiten Seite des Schlägers, so ist das Tor ein sogenannter Shuffle und ebenfalls ungültig – außer es ist ein Eigentor! Nach einem Tor muss das Team, dass das Tor geschossen hat, sich in seine Spielhälfte zurückziehen. Das andere Team hat jetzt Ballbesitz und darf sich ebenfalls nur in seiner Hälfte befinden. Dann geht’s weiter!

Die wichtigsten Regeln

  1. Auswechslung: Es kann immer ausgewechselt werden, außer der Spieler hat vorher bereits für das gegnerische Team gespielt.
  2. Fahrrad: Jedes Fahrrad ist erlaubt, es darf aber nichts am Fahrrad angebracht sein, dass hilft, Schüsse abzublocken.
  3. Schläger: Die Schläger dürfen keine gefährlichen Ecken und Kanten haben.
  4. Schutzkleidung: Wer möchte kann Schutzkleidung anlegen, man muss es aber nicht.
  5. Schiedrichter: Jemand stoppt die Zeit. Die Zeit läuft immer erst weiter, sobald die Mittellinie überquert wird.
  6. Tore durch ein Shuffle: Das andere Team bekommt jetzt den Ballbesitz.
  7. Tor nach Abprallen eines Shuffle-Schusses: Wenn ein Shuffleschuss am Körper, Rad oder Schläger des Verteidigers abprallt und ins Tor geht, dann zählt dieses Tor nicht und die verteidigende Mannschaft ist in Ballbesitz.
  8. Spiel mit dem Fuß: Wenn ein Spieler den Ball mit dem Fuß kickt, zählt das als dab und er muss zum Tab Out fahren und es abschlagen, bevor er wieder mitspielen darf.
  9. Ball im Aus: Schießt ein Spieler den Ball über das Spielfeld hinaus, hält man die Zeit an und die gegnerische Mannschaft bekommt den Ball.
  10. Kontakte: Fairplay steht im Vordergrund! Außer Schlägerkontakt ist jegliches Schubsen, schlagen oder treten, halten, absichtliche Kollisonen oder das Werfen des Schlägers verboten und kann vom Schiedsrichter bestraft werden!

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