Crossboccia ist Boule für die neue Generation: actionreich, hip und kreativ.

Boule und Boccia waren gestern – Crossboccia ist die hippere & actionreichere Freestyle-Variante des klassischen Wurfspiels und begeistert immer mehr Menschen!

Sonnengebräunte Senioren, die am Strand buchstäblich eine ruhige Kugel schieben. Das ist das Klischeebild, das viele Menschen vom Wurfspiel Boule oder Boccia haben. Ich erinnere mich noch, dass ich als Student mal Freunden vorgeschlagen hatte, eine Runde klassisches Boccia zu spielen und sie nur die Augen verdrehten. Das sei doch ein Rentnersport, meinten sie! Nicht gerade spannend und völlig arm an Action.

Fast 10 Jahre später sieht die Lage ganz anders aus. Denn Boule und Boccia haben Nachwuchs bekommen, einen neuen hippen actionreichen Urban Trendsport, der das altehrwürdige Wurfspiel völlig neu denkt und für Millennials, Twentysomethings und generell Experimentierfreudige attraktiv macht: Crossboccia!

Das Grundprinzip bleibt bei Crossboule oder Streetboccia, wie das Spiel noch genannt wird, das gleiche wie bei seinen Vorgängern. Zunächst wirft man einen kleinen Ball zur Markierung des aktuellen Ziels, dann versucht jeder Spieler seine eigenen Kugeln möglichst nah am Zielball zu platzieren. Je nach Gelände auf dem man spielt – z.B. auf Sand, Rasen oder Straße – muss man beim Werfen auch das Nachrollen der Boules einkalkulieren.

Crossboccia kann man an jedem beliebigen Ort und in allen 3 Dimensionen spielen.
Crossboccia über den Dächern – © Dosionair (CC BY 2.0)

Der Clou bei Crossboccia ist, das Spiel um die dritte Dimension zu erweitern und das potentielle Spielfeld ins Unendliche auszuweiten. Crossboccia bietet somit einen besonderen Reiz für urbane Abenteurer, die nicht nur im Park, sondern auch auf Parkdächern, unebenen Geländen oder in leer stehenden Industriegeländen nach Action suchen. Der Zielball kann z.B. auf eine Mauer, in eine Astgabel, oder aufs Dach einer Gartenlaube geworfen werden. Erlaubt ist alles, was legal ist und von wo ihr eure Crossboccia-Bälle auch wieder einsammeln könnt. 😉

So eröffnet Crossboccia den Spielern immense Freiräume zur kreativen Spielgestaltung, Spontaneität und Entdeckerlust.

Eine kurze Geschichte des Crossboccia

Die Idee, Boccia cross, also kreuz und quer im dreidimensionalen Raum zu spielen gibt es schon lange und wer das erste mal darauf gekommen ist, kann kein Mensch sagen. Allerdings eigneten sich die klassischen Boule-Kugeln dafür schlecht und sprangen oder rollten zu sehr.

Der Ursprung des Crossboccia in seiner heutigen Form liegt tatsächlich in Deutschland. Mark Caliman und Timo Beelow, zwei Studenten aus Wuppertal erfanden die passenden Wurfkörper für Crossboccia: kleine, Hacky-Sack-ähnliche Stoffbälle, die zu ca. ¾ mit Granulat gefüllt sind. Allerdings gingen sie getrennte Wege und brachten 2008 und 2009 jeder ihr eigenes Produkt auf den Markt.

Seitdem hat Crossboccia mehr und mehr Fans bekommen, es gab immer mehr Turniere und -Events und Crossboccia erfuhr durch die ispo 2010 auch internationale Anerkennung und Verbreitung. Bereits ein Jahr später fand die erste Weltmeisterschaft in Duisburg statt. Allein in Europa gibt es aktuell bereits über 50.000 Crossboccia-Spieler.

Crossboccia-Ausrüsung

Gespielt wird Crossboccia nicht mit den klassischen Bocciakugeln, sondern mit sackartigen Bällen.
Crossboccia-Bälle – © Dosionair (CC BY 2.0)

Beim Crossboccia wirft man nicht mehr mit Kugeln (Boules), sondern runden Säckchen, die Hacky Sacks oder weichen Jonglierbällen gleichen. Diese bleiben auch auf Treppen, Abhängen, Mauervorsprüngen etc. liegen. Außerdem ist die Gefahr, dass bei einem weiten und harten Wurf der Ball oder aber der Untergrund Schaden nehmen durch seine Elastizität minimiert.

Die Crossboccia-Bälle sind unter ihrer Baumwollhülle sogar so mit Polyesterfasern präpariert, dass sie, im richtigen Winkel geworfen, von einer Wasseroberfläche abspringen.

Ein Crossboccia-Set kostet ca. 15-25 Euro, ja nach dem von welcher Marke und in welcher Verarbeitung. So gibt es mittlerweile auch im Dunkeln leuchtende Bälle für nächtliche Matches.

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Die Spielregeln bei Crossboccia

Spielverlauf

Zuerst wird ausgelost, welcher Spieler den Marker werfen darf. Er kann dies beim Crossboccia aus einer beliebigen Position tun und den Marker an eine beliebige Stelle in der Umgebung werfen. (Vorausgesetzt von da lassen sich die Bälle wieder zurückholen, ein Strommast ist also keine gute Idee… 😉)

Außerdem darf dieser Spieler die Regeln der eröffneten Runde festlegen. Er kann z.B. vorgeben, dass in einer bestimmten Weise geworfen werden muss: durch die Beine, überm Kopf, über Bande etc.

Derselbe Spieler darf auch als Erster einen seiner Spielbälle Richtung Marker werfen. Danach werfen die restlichen Spieler in spontan abgesprochener Reihenfolge ihre ersten Bälle.

Jetzt beginnt der Spieler, dessen Ball am weitesten von dem Marker entfernt liegt. Er darf jetzt seinen zweiten und dritten Wurf nacheinander machen. Dann sind die anderen Spieler damit an der Reihe, entsprechend der Position ihres ersten Wurfs. Anschließend werden die Punkte dieser Runde ausgewertet.

Crossboccia ist vor allem bei jüngeren Generationen beliebt, denen das klassische Boccia bzw. Boule zu altbacken ist.
Jugendliche beim Crossboccia-Spiel – © Dosionair (CC BY 2.0)

Punktevergabe

Wie bei Boule und Boccia ist die Nähe der Spielbälle zum Marker ausschlaggebend für die Punktezahl. Der Spieler, dessen Spielball am nächsten beim Marker liegt, erhält einen Punkt. Liegen mehrere Bälle verschiedener Spieler gleich nah an dem Marker, so bekommt entsprechend jeder dieser Spieler einen Punkt. Die Punkte werden solange addiert, bis einer der Spieler mindestens 13 Punkte und einen Vorsprung von mindesten 2 Punkten vor dem nächstbesten Spieler hat.

Extra-Punkte

Beim Crossboccia gibt es noch eine weitere Möglichkeit, Punkte zu erzielen, nämlich sogenannte Kombinationen. Wenn ein Spieler seine Spielbälle nicht nur nah am Marker platziert, sondern so, dass sie sich berühren, erhält er dafür Extrapunkte.

Bei zwei sich berührenden Bällen ist der Erste der beiden Bälle einen Punkt wert, der Zweite zwei. Liegt der dritte Ball ebenfalls an, so zählt er drei Punkte. Es lassen sich also bis zu 6 Extra-Punkte pro Runde erzielen.

Der Kill

Eine weitere Sonderregel beim Crossboccia ist der so genannte Kill. Wer es schafft, mit seinem eigenen Ball den Ball eines Gegenspielers zu mindestens 50 % zu überdecken, verhindert, dass dieser gegnerische Ball irgendwelche Punkte erhält. Fies!

Spielziel

Sieger eines Crossboccia-Matches ist der Spieler, der zuerst aus zwei Sätzen siegreich hervorgegangen ist. Ein Satz wiederum besteht immer aus 13 Punkten, gilt aber nur als gewonnen, wenn er mit mindestens zwei Punkten Unterschied vor dem Nächstbesten gewonnen wurde.

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