Löse das Berlin Krimi Rätsel 1

Knackst du diesen kniffeligen Fall? Wer kombiniert am Besten und überführt den Mörder? - Nur hier gibt es das Berlin Krimi Rätsel 1 zum selber lösen!

Nachts auf Routinefahrt

Aus dem Radio plärrte Rihanna. ‚‚Schon wieder‘‘, dachte Max. Er hasste Rihanna. Überhaupt hasste er diese Art von Konservenmusik. Pop für die Massen dachte er, setzte den Blinker und schaute auf die Zeitanzeige auf dem Armaturenbrett. Es war 2 Uhr morgens, das hieß also noch 5 Stunden monoton seine Route abfahren. Max bog nach links ab und fuhr auf den Columbiadamm Richtung Neukölln, vorbei am klotzigen Bau des ehemaligen Tempelhofer Flughafens und dem riesigen Feld, auf dem er regelmäßig seine Runden drehte.

Er nahm einen Schluck kalten Kaffee aus einem Pappbecher mit einem dämlich grinsenden Smiley als Logo und verzog angewidert das Gesicht. Als er den fast leeren Kaffebecher neben sich auf die Ablage stellte, kippte das blöde Ding um und der Rest des Kaffees ergoß sich auf den Beifahrersitz. Auch egal, dachte er. Der schwarze Kombi, den er jede Nacht im Auftrag eines Sicherheitsdienstes durch die Straßen Berlins manövrierte, hatte seine besten Tage schon lange hinter sich. Deswegen wollte ihn auch keiner seiner Kollegen mehr fahren. Max war der einzige, der mit der schwergängigen Kupplung zurechtkam.

Das Logo der Firma, für die er arbeitete, „„Safe City Berlin“ – kurz SCB, war schon fast unlesbar. SCB war zuständig für die Sicherheit von über 100 Einrichtungen in der Hauptstadt. Nacht für Nacht fuhr er die gleiche Runde. Anfangs hatte er damit gerechnet, dass fast jede Nacht ein Notruf käme und ihn auf Trab hielt. Der Job hatte spannend und abwechslungsreich geklungen, darum hatte er bei SCB angefangen. Max liebte das Gefühl, nie zu wissen was in den nächsten Minuten passieren konnte. Bisher sah die Realität seines Jobs aber alles andere als spannend aus. Meistens ging überhaupt kein Alarm ein und wenn doch, dann war ein Drogenjunkie oder eine streunende Katze der Auslöser. Max sehnte sich schon beinahe nach einem echten Einbruch oder etwas dergleichen.

Ein schrilles Piepen und die rot blinkende Leuchte am Armaturenbrett rissen ihn aus seinen Gedanken. „„Max, Alarm in der Humboldt-Universität. Im Rechenzentrum. Die Adresse ist Rudower Chaussee 26. Kontrolliere bitte, ob dort alles in Ordnung ist. Over.“ Max drückte den Sprechknopf und grunzte: „„Ich bin schon auf dem Weg. 15 Minuten. Over.“

Mord im Rechenzentrum

Zu dieser Uhrzeit waren die Straßen selbst in Berlin leer. Daher dauerte es keine 10 Minuten bis er auf den Parkplatz des Campusgeländes fuhr. Oh Wunder, freie Platzwahl! Max musste grinsen. Er schloss sein Auto ab und ging auf das große, braune, kastenförmige Gebäude zu, auf dem der Schriftzug „„Erwin-Schrödinger-Zentrum“ prangte. Als er mit dem SCB-Zweitschlüssel die Tür aufschließen wollte, bemerkte er überrascht, dass der Haupteingang unverschlossen war. Das erste Mal. Da war ein Professor wohl nachlässig. Im Gebäude war es stockdunkel und Max tastete mit den Fingern neben der Tür nach dem Lichtschalter. Dann stockte ihm der Atem. Kurz bevor die grellen Neonröhren ansprangen, hörte er ein leises Stöhnen. Oder war das seine Fantasie? Dann huschte ein Schatten am Ende des Gangs vorbei. Max rannte ohne nachzudenken los und rief: „„Stehenbleiben. Security!“.

Doch der Schatten war schon verschwunden. Wieder ertönte das Stöhnen, diesmal deutlich lauter. Das Geräusch war also keine Einbildung. Mit klopfenden Herzen drehte sich Max zur Seite. Das Röcheln kam eindeutig aus dem Büro zu seiner Rechten. Automatisch drückte er eine Kombination auf seinem Pieper und schickte einen Notruf an die Polizei. Dann griff er zu seinem Elektroschocker. So einen trug jeder Angestellte von SCB während seiner Schicht bei sich. Eigentlich sollte er jetzt warten, bis die Polizei eingetroffen war. Aber Max‘ Sorge um den vermutlich Verletzten und seine Sehnsucht nach Nervenkitzel überwogen. Geduld hatte noch nie zu seinen Tugenden gezählt – Max war ein echter Adrenalinjunkie. Er konnte nicht anders und öffnete die Bürotür.

Max sog ruckartig die Luft ein, und seine Finger umklammerten den Türgriff wie einen Schraubstock, als sein Blick auf den Mann fiel.  Blut, überall ist Blut konnte er nur denken. Jetzt war das Adrenalin voll da und rauschte in seinem Kopf. Max war hochkonzentriert und notierte in Gedanken: Das Opfer ist schwer verletzt oder gerade gestorben. Geschlecht: Männlich. Alter: zwischen 18 bis 30 Jahren. Liegt auf dem Bauch. Er bewegt sich nicht. Sein Hinterkopf ist mit Blut überströmt, das Hemd davon durchtränkt. Er liegt in einer großen Blutlache. Niemand außer ihm befindet sich im Raum.

Max stürzte zu dem Verletzten und kniete neben ihm nieder. Er konnte keinen Puls spüren. Umdrehen durfte er den Schwerverletzten nicht, damit würde er ihn unter Umständen töten. „„Hilfe ist auf dem Weg. Halte durch!‘‘, sagte er und hoffte, der junge Mann konnte ihn hören. Sein rechter Arm zuckte und der Verletzte drehte den Kopf. „„Nicht bewegen!‘‘, schrie Max.

Der junge Mann starrte ihn mit glasigen Augen an und brachte ein paar röchelnde Laute hervor. Max beugte sich näher zu seinem Kopf und glaubte die Worte  „„Daten…‘‘,  „„Li-li-li…‘‘ und  „„…mir Leid‘‘ zu verstehen. Dann bildete sich roter Schaum am Mund des Jungen und seine Augen verloren ihren Blick. Max schluckte. Sein erster Toter, zumindest der Erste den er sterben sah. Der Mann rührte sich nicht mehr.

„„Nicht anfassen, du Idiot“, gellte eine schrille Stimme in Max‘ Ohren. Alarmiert drehte er sich um, und richtete den Elektroschocker auf die Person. In der Tür stand eine zierliche Frau mit blondem Pferdeschwanz. „„Du hinterlässt Fingerabdrücke und zerstörst Beweise!“ fauchte sie.

„„Wer zur Hölle sind Sie und was machen Sie hier?“ entfuhr es Max. „„Vielleicht lebt der Mann noch, das ist ja wohl im Moment am wichtigsten,“ verteidigte er sich, obwohl er wusste, dass dem nicht so war. Er wollte es noch nicht akzeptieren. „„Bei der Menge Blut, die er schon verloren hat, leider wohl kaum,“ antwortete die junge Frau. Sie sah weder todunglücklich noch gleichgültig aus. Irgendwie verdächtig dachte Max und wechselte den Elektroschocker in die andere Hand. Doch mit einem hatte sie Recht: der junge Mann war tot. Max sollte nichts mehr berühren, damit der Tatort nicht verunreinigt wurde.

„„Was machen Sie hier mitten in der Nacht? Wenn sie mir nicht sofort antworten, muss ich Ihnen Handschellen anlegen, bis die Polizei da ist!“ „„Jacqueline“, antwortete sie und schluckte. „„29 Jahre, Dozentin für Informatik, 1 Katze. Hasst Hamster. Das ist doch alles Schwachsinn! Ich war es nicht! Wieso sollte ich meinen besten Studenten ermorden?!? Wir kommen so schon kaum hin mit den Fördergeldern!!“

Max starrte sie entgeistert an. Redete diese Frau gerade tatsächlich von Fördergeldern, während die blutüberströmte Leiche ihres Studenten zu ihren Füßen lag? Sie griff nach seiner Hand und Max zuckte unwillkürlich zurück. Die Frau sah ihn nachdenklich an und ließ ein Stück Papier auf den Boden fallen. Es war eine Visitenkarte. Aus der Ferne ertönten leise die Sirenen der Polizei. „„Ich war es nicht“, sagte sie mit fester, eindringlicher Stimme. „„Das schwöre ich bei Conrad Zuse. Du kannst mich fragen was du willst. Aber später. Die Polizei darf nichts von mir wissen.“ Max Hand zuckte zu den Handschellen. „„Hier geht es um mehr als diesen Mord“, sagte sie aufgeregt. „„Um viel mehr! Ich war gerade dabei, eine riesige Sauerei zu entdecken, als das hier dazwischen kam.“

Max wiederholte ungläubig: „„Dazwischen kam?“ Jetzt waren die Sirenen schon ganz nah. Die junge Frau sagte spitz: „„Hast du Zweifel? Gut. Dann bist du kein völliger Dummkopf. Wer Dinge in Frage stellt, für den besteht noch Hoffnung. Halte einfach diese Nacht dicht und gib mir die Chance, alles zu erklären. Dann kannst du mich ja immer noch verraten.“

Bevor er antworten konnte, hatte sie sich schon umgedreht und rannte blitzschnell den Gang hinunter. „„Verdammt“, schrie Max. „„Ich weiß ja nicht einmal, ob du wirklich Jacqueline heißt!“. Er fühlte sich ziemlich dämlich. Und das passierte ihm wirklich nicht oft. Er hatte die Frau einfach gehen lassen und ihre haarsträubenden, verdächtigen Erklärungen einfach so hingenommen. Wahrscheinlich hatte er sich damit jetzt mitschuldig gemacht. Dämlich eben. Doch nun war es zu spät. Wenn er der Polizei von ihr erzählte, würde er sich selbst mit in Verdacht bringen und noch schlimmer: er würde seinen Job verlieren. Es war schwer genug, zu erklären, warum er sich nicht an die Vorschriften gehalten hatte.

Bevor die ersten Polizisten eintrafen, hatte er noch kurz Zeit, den Toten genauer zu betrachten. Es war ein junger Mann in den Zwanzigern mit randloser Brille und einem glatt rasierten, hellen Gesicht. Seine Augen starrten ins Leere, der Mund stand offen. Eine Hand hatte er zur Faust geballt. Er trug Karohemd und Jeans. Erst dann nahm Max andere Dinge außer der Leiche wahr. Eine geöffnete Laptoptasche lag mitten im Raum. Sie war leer. Der Inhalt eines Geldbeutels lag verstreut auf dem Boden: Münzen, Scheine, Ausweise und abgestempelte Fahrscheine. Es zuckte ihn in den Fingern, die Dinge zu untersuchen. Aber stattdessen hob er nur die Visitenkarte auf, die Jacqueline ihm hinterlassen hatte, und steckte sie ein. Keinen Augenblick zu früh, denn zwei Polizisten betraten in diesem Moment das Zimmer.

Ein Morgen voller Überraschungen

Es war 10 Uhr vormittags und für einen Sommertag kühl. Max war totmüde. Bis 6 Uhr früh war er nicht ins Bett gekommen und die Ereignisse ließen ihn keinen Schlaf finden. Er hatte der Polizei nichts von Jacqueline erzählt. War das die richtige Entscheidung gewesen? Das würde sich gleich zeigen. Unter der Telefonnummer auf der Visitenkarte hatte er tatsächlich die junge Frau erreicht und sich mit ihr hier am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park verabredet. Sie hatte ihn also nicht über sich belogen und ihm ihre echte Adresse und Telefonnummer gegeben. Sowas tut doch keine Mörderin, versuchte er die eigenen Zweifel zu beschwichtigen.

„„Hallo Max!“, rief sie mit einem schiefen Grinsen. „„Na, habe ich den richtigen Treffpunkt für Dr. Da Vinci ausgewählt?“ Er sprang auf und fragte verwundert: „„Dr. Da Vinci?“ War das nur Zufall, oder wusste diese Frau etwa, dass er mit einer Doktorarbeit über Leonardo da Vincis Frühwerk promoviert hatte? Er war sich fast sicher, dass er ihr auch nie seinen Namen genannt hatte. Seltsam

Eigentlich war Max überhaupt nicht ihr Typ. Aber Jackie konnte nicht leugnen, dass er einfach gut aussah. Das war ihr gestern Nacht schon aufgefallen. Er war der Typ Mann, der vermutlich jede Frau bekam, die er wollte. Max war groß, schlank und trainiert, mit regelmäßigen Gesichtszügen und einem Dreitagebart. Er hatte schwarze, lockige Haare und strahlende blaue Augen. Aber das alles war es nicht, wieso sie ihn von vorneherein gemocht hatte. Es war sein Blick. Sie konnte die Intelligenz in seinen wachen Augen sehen. Außerdem wusste sie jetzt auch, dass er ein summa cum laude auf seine Doktorarbeit hatte, Single war und Snowboard fuhr. Ein paar Klicks und Befehle am Rechner und schon hatte sie die Eckdaten seines Lebens auf dem Bildschirm gehabt. Im Hacken machte ihr keiner etwas vor. Sie beschloss, alles auf eine Karte zu setzen und ihm zu vertrauen.

„„Ich weiß, wie du heißt, wo du wohnst und auch alles über dein Studium. Ich bin PC-Expertin, Informatikerin, Hackerin, Informationsjunkie, ganz wie du willst“. Max verschränkte die Arme. „„Das macht dich noch verdächtiger. Hast du vielleicht auch den Laptop des ermordeten Studenten geklaut, mitgehen lassen, plötzlich in der Hand gehabt… ganz wie du willst?“ Seine Stimme klang sarkastisch. „„Nein“, sagte sie. „„Welcher Laptop überhaupt?“. „„Das spielt jetzt keine Rolle. Bevor wir uns über irgendetwas anderes unterhalten, bist du mir eine ganze Menge Erklärungen schuldig. Ich frage, du antwortest. So läuft das Spiel, sonst gehe ich.“ Jackie seufzte und nickte zustimmend.

„„Warum warst du um 2 Uhr morgens in der Uni?“  Jacqueline seufzte erneut. „„Da muss ich weit ausholen. Vor ungefähr 3 Monaten entdeckte ich durch Zufall bei einem Probelauf meiner Dark Spider, dass in unserem Datensystem eine riesige Menge Kopiervorgänge registriert wurden. Die Dark Spider ist ein Computersicherheits-Programm, das ich gerade entwickele. Ihr erster Fund ist jedenfalls ziemlich übel, denn diese kopierten Daten waren persönliche Informationen und teilweise sogar Kontodaten von Studenten, die unsere Datenbank natürlich auf keinen Fall verlassen dürfen! In den falschen Händen sind diese Daten eine Gefahr. Im Deep Web wird viel Geld für solche fetten Pakete mit persönlichen Daten gezahlt! Wer immer sie kopiert hat, hat sich damit strafbar gemacht. Ich selbst habe allerdings auch eine Hacker-Vergangenheit und hatte… nun ja, auch keine Genehmigung meine Dark Spider auf unser sensibles Datensystem loszulassen.“

Max legte die Stirn in Falten. „„Also hast du dich auch strafbar gemacht,“ stellte er fest. „„Als Spinnenhalterin deiner schwarzen Witwe.“ Jacqueline grinste reumütig: „„Haha! Aber ich und meine kleine Spinne arbeiten für die gute Seite!“ Er zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „„Für dich gut. Für die Uni gut? Für Deutschland gut? Es gibt viele „„gute“ Seiten. Das alles erklärt immer noch nicht, warum du gestern nachts um 2 Uhr in der Uni warst.“ „„Ich war dort, weil ich vom Rechner im Rechenzentrum anonym meine Spinne ins System laden konnte. Zuhause wäre ich über meine IP registriert worden. Die Rechner im Rechenzentrum laufen über ein Tor-Netzwerk, das heißt es gibt keine feste IP.“

Sie sah Max forschend an. Glaubte er ihr? Sie hoffte es. Dann ließ sie die Bombe platzen. „„Und jetzt halte dich fest: Praktisch zeitgleich mit dem Mord habe ich herausgefunden, wer die Daten kopiert hat. Jonas Franke!“ Als Max nicht reagierte wie erhofft, ergänzte sie ungeduldig: „„Du weißt schon. Mein Elitestudent, der gestern abgekratzt ist. Das war Jonas Franke.“

„„Was?‘‘ – Jetzt hatte sie seine volle Aufmerksamkeit. „„Das musst du sofort der Polizei erzählen! Das ist für ihre Ermittlungen bestimmt sehr wichtig, was du mir da offenbarst!“

„„Das kann ich doch nicht! Genau das hab‘ ich dir doch gerade versucht zu erklären: Ich habe mich doch auch strafbar gemacht. Am Ende führt das doch nur dazu, dass ich im Knast lande! Ich mache mich damit extrem verdächtig. Bisher weiß die Polizei nicht einmal, dass ich in der Uni war.“

Max beschloss, ihr noch nicht zu erzählen, dass sie damit gründlich falsch lag. Er hatte eine interne Quelle bei der Polizei, eine gewisse Person, die ihm mehr als einen Gefallen schuldete. Gleich am morgen hatte er ihre Nummer gewählt und so erfahren, dass Jacqueline für die Polizei die Hauptverdächtige war. Denn zu ihrem Pech gab es Zeugen, die sie als letzte Person im Gebäude gesehen hatten. Außerdem hatte die Polizei neben dem einzigen noch laufenden Rechner im Rechenzentrum der Uni Notizen in Jacquelines Handschrift gefunden. Und Max‘ Informationsquelle hatte angedeutet, dass es noch mehr Indizien gab, die Jacqueline belasteten…

Statt diese Gedanken auszusprechen sagte Max zu ihr: „„Was ich dir jetzt erzähle, darfst du keiner Menschenseele verraten. Das sind Polizei-Interna, die nicht nach außen dringen dürfen. Ich kenne da jemanden, mit der ich heute früh ein sehr aufschlussreiches Gespräch über den Stand der Ermittlungen führte.“ Jacqueline konnte sich gut vorstellen, warum diese Frau bereit war, Max diese Informationen anzuvertrauen.

„„Das Opfer wurde zunächst mit einem stumpfen, flachen Gegenstand nieder geschlagen und anschließend mit einem scharfen Messer erstochen. Die Polizei vermutet wegen der Beschaffenheit des Hämatoms und kleinerer Plastiksplitter in der Wunde, dass das Opfer mit einem Laptop von hinten auf den Kopf geschlagen wurde. Das Messer, dass der Mörder verwendete war ein besonders scharfes Küchenmesser wie es zum Beispiel japanische Köche zur Zubereitung von Sushi benutzen.“ Jacqueline pfiff anerkennend: „„Da hast du ja gute Kontakte bei der Polizei. Es ist ja naheliegend, dass der Laptop, mit dem Jonas niedergeschlagen wurde, sein eigener ist. Jetzt wo du mir das erzählst, meine ich mich zu erinnern: am Tatort lag doch eine leere Laptoptasche herum. Glaube ich…“

Max nickte: „„Die Laptoptasche habe ich auch bemerkt. Dann werden wir der Sache auf den Grund gehen. Ich bin mir sicher, der Mord hatte mit diesem Datenraub etwas zu tun. Das kann doch kein Zufall sein.“ Jacqueline sah ihn überrascht an. „„Wie meinst du das? Wir beide spielen zusammen Detektiv, oder was? Wie Tim und Struppi oder Sherlock und dieser Trottel-Arzt?“ „„Watson. Peter Watson. Das bist dann wohl du. Sherlock Holmes ist der Klugscheißer, der immer alles besser weiß, viele Bücher liest, sich mit Kunst auskennt.  Also ich. Die Sache mit dem ultra scharfen Küchenmesser gibt uns einen wichtigen Hinweis. Das deutet doch darauf hin, dass der Mörder mit einer klaren Tötungsabsicht den Tatort betrat, denn so ein Messer liegt nicht einfach so in der Universität herum und wenn dann in der Küche der Mensa und nicht im Rechenzentrum.“

Jackie grinste und erklärte: „„Von mir aus. Spielen wir Sherlock Holmes und Dr. Watson. Ich kenne nur diese BBC-Serie, da ist Sherlock ein ziemlicher Psycho, also wenn du das sein möchtest, bitteschön. Watson, also ich, hat gerade schon eine erste kluge Idee: Wir beginnen unsere Ermittlungen mit einem Verhör des besten Freundes des Opfers. Er dürfte jetzt in der php-Vorlesung sein.“ Max stand auf und schwenkte seinen Autoschlüssel. „„Wir können mit meinem Firmenwagen fahren.“

Verhör an der Uni

Als die Vorlesung zu Ende war, strömten die Studenten aus dem Saal. Jacqueline hatte beim Betreten der Universität eine pinke Baseball-Kappe und eine Sonnenbrille aufgesetzt. Sie sah so beinahe jünger als die Studenten aus, und ihr Aufzug war zwar albern, aber immerhin verändert. Ein junger Student mit pickeligem Gesicht und Star-Wars-T-Shirt pfiff, als er sie sah. Jacqueline zeigte ihm ihren Mittelfinger und bahnte sich zielstrebig einen Weg durch die Studenten zu einem braunhaarigen jungen Mann. Auch er trug ein Karohemd und Jeans.

„„Ey, Jackie!“ „„Hallo, Julius. Wir würden dir gerne ein paar Fragen stellen. Kommst du mit in mein Büro?“ Julius nickte und folgte Max und Jacqueline zu einem Raum ein Stockwerk höher. „„Du bist gestern mit Jonas abgehangen, oder? Und jetzt sind die Bullen hinter dir her. Wissen sie von deinem Baby, Jackie?“ Jacqueline schloss die Bürotür mit einem Knall, seufzte und schüttelte den Kopf. „„Die BS war crawlen, aber kurz vor dem BT war Exitus.“ Sie fing einen ratlosen Blick von Max auf. „„Außer dir und Julius weiß keiner von meiner Black Spider, die leider keinen Break Through bei ihrer Suche erzielte.“ Sie zwinkerte ihm zu.

„„Mein Beileid zum Tod deines besten Freundes!“, sagte Max. Julius blickte ihn unverwandt an und meinte fast abfällig: ‚‚Bester Freund? Das war er vielleicht einmal. Aber eigentlich hatte ich schon lange nichts mehr von dieser Freundschaft. Der hat mich nur ausgenutzt.“ Jacqueline schaute überrascht: „„Ihr wart doch immer wie Pech und Schwefel.“ Julius sah auf seine Armbanduhr. ‚‚Wenn ihr mich fragt, war das nur eine Frage der Zeit, bis den einer killt. Ich war so gutmütig, ihm meinen Hochleistungsrechner zu leihen und der hat ihn einfach komplett platt gemacht. Der Computer war danach verseucht mit Viren und meine Doktorarbeit komplett gelöscht! Könnt ihr euch meine Reaktion vorstellen?“ Julius klappte den Mund zu und starrte sie an. Max sagte samtweich: „„Klar, da hätte ich ihn auch gekillt…“

‚‚Spinnst du! Habe ich nicht!“, rief Julius. „„Ich bin doch kein Mörder. Ich bin bloß ein sauwütender Informatiker, der dank seines ach so guten Freundes vor den Ruinen von 2 Jahren harter Arbeit steht. Wer ist dieser Typ, Jackie? Ist das ein Bulle? Ich bin übrigens nicht der Einzige, dem Jonas übel mitgespielt hat! Seine neue Freundin hat er einem anderen Typen ausgespannt. Die Alte hat er dann betrogen, verarscht, ausgenutzt und vor der ganzen Universität bei der Fakultätsparty abserviert. Vor einer Woche etwa kam er dann bei mir angekrochen, wollte irgendetwas unbedingt erzählen und sah ziemlich fertig aus. Aber ehrlich gesagt, war mir völlig egal welches Problem der armselige Kerl hat.“

In diesem Moment klopfte es an der Tür. Eine sonore Stimme fragte freundlich: ‚‚Frau Reuter, darf ich eintreten?“ Die Tür wurde geöffnet und ein großer, korpulenter Mann, in adrettem Sakko und einer weißen Seidenkravatte mit japanischen Schriftzeichen, betrat das Büro. Er hatte schütteres, sandfarbenes Haar, ein kantiges, maskulines Gesicht und ein gutmütiges Lächeln. „„Guten Tag, Professor Kirchner…“ Dieser unterbrach Jacqueline und verkündete in fast schon feierlichem Tonfall: ‚‚Mein herzliches Beileid zum Tod ihres Elitestudenten. Um 12 Uhr gibt es eine Gedenkminute und ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie ein paar Worte an die Studenten richten. Sie sollten wissen, welchen Verlust der Tod unseres lieben Jonas auch für die gesamte Fakultät bedeutet.“

Max konnte sich nicht beherrschen und er sagte scharf: „„Wäre es etwa ein geringerer Verlust, wenn es sich bei dem Opfer nicht um einen Elite-Studenten gehandelt hätte?“ Der Professor sah ihn durchdringend an und fragte: ‚‚Und Sie sind?“ Jacqueline sagte schnell: ‚‚Ein Freund. Ein Bekannter.“ Damit verlor der Professor das Interesse an Max und sah Jacqueline direkt an. Er sagte ernst: „„Die Polizei war gerade bei mir. Sie sucht Sie schon seit heute früh, man hat Sie wohl als letzte Person im Rechenzentrum gesehen.‘‘

Jacqueline schluckte. Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet. „„Ich habe den Beamten selbstverständlich erklärt, dass es vollkommen ausgeschlossen ist, dass Sie oder jemand anderes von unserem Lehrstuhl in diese schreckliche Tat involviert ist!‘‘  bemühte sich der Professor, sie zu beruhigen. ‚‚Ich würde allerdings zu gerne wissen, wer Jonas‘ Laptop entwendet hat.“ „„Das wüsste ich auch gerne“ sagte Jacqueline und blickte nachdenklich aus dem Fenster. Max runzelte nachdenklich die Stirn. Jacqueline drehte sich um und warf einen Blick auf die Wanduhr. „„Gleich beginnt meine Vorlesung,“ sagte sie, ‚‚aber ich sage natürlich gerne ein paar Worte für Jonas vor der Schweigeminute.“

Begegnung in der Mensa

Während Jacqueline ihre Vorlesung hielt, recherchierte Max, was die Medien über den Fall berichteten. In der Uni-Cafeteria lagen alle wichtigen Tageszeitungen der Hauptstadt aus. Die Polizei hatte offensichtlich nicht viele Fakten heraus gegeben. Einzig die Berliner Morgenpost schrieb, dass der ungeklärte Mord an einem Studenten durch Erstechen herbeigeführt wurde und nachts auf dem Universitätsgelände stattgefunden hatte. Das waren die einzigen, dürftigen Details zum Tathergang. Aber dann stieß Max in der B.Z. auf einen interessanten Satz. Die B.Z. berichtete, die Freundin des Toten sei schwer von der Nachricht getroffen worden und stehe noch immer unter Schock. Hatte Julius nicht eben noch gesagt, dass Jonas seiner Freundin übel mitgespielt habe?

Es war schon bald 1 Uhr mittags und Max bekam Hunger. In der Mensa der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät gab es drei Gerichte zur Auswahl, Max wählte Jägerschnitzel und wunderte sich sehr über die gebratenen Jagdwurstscheiben auf seinem Teller. Als Rheinländer und Wessi verstand er darunter etwas anderes. Während er sein ostdeutsches ‚‚Jägerschnitzel“ verspeiste, nutzte er die Gelegenheit und schaute sich an den anderen Tischen um, die sich jetzt nach und nach mit Studenten füllten.

Er beobachtete eine junge Frau mit gerötetem Gesicht, die zusammengesunken an einem der Tische saß. Neben ihr saß ein anderer Student. Er hielt ihre Hand zwischen beiden Händen und redete unaufhörlich auf sie ein. Wahrscheinlich versucht er sie zu beruhigen, dachte Max. Ihn würde es wahnsinnig machen, derart bedrängt zu werden.

Kurz entschlossen stand Max auf und ging zu dem Tisch hinüber. Mit einer spontanen Notlüge stellte er sich vor: „„Hallo. Du bist Lisa, oder? Ich möchte dir mein Beileid zu Jonas Tod ausspreche. Ich kannte Jonas gut, auch wenn wir uns selten im Real Life gesehen haben. Wir kennen uns hauptsächlich aus Computerforen und so. Ich habe ihn sehr gemocht.“

Verstört blickte die junge Frau ihn an und für einen Moment dachte Max, er habe sich getäuscht und dies war überhaupt nicht Jonas‘ Freundin. Doch dann schluchzte sie leise: ‚‚Danke,“ und eine Träne tropfte auf den Tisch. Ihr Nebenmann drückte ihre Hand. Dann ließ er sie los und streichelte ihr über den Kopf. Max wusste nicht sofort, was ihm daran komisch vorkam. Eigentlich war es ja normal, dass ein Freund Lisa tröstete, ihre Hand hielt und ihr beistand. Als er den liebvollen Blick auffing, den der junge Mann Lisa zuwarf, wusste er was los war. Der Student war offensichtlich in Lisa verliebt. ‚‚Komm mit Lisa, lass uns doch gehen. Ich bringe dich nach Hause“, sagte er jetzt zu ihr.

‚‚Moment“, fragte Max hastig, ‚‚kenne ich dich auch aus dem Forum?“ Der Student strich sich durch seine blonden, hochgestylten Haare und warf Max einen genervten Blick zu: „„Mit Sicherheit nicht. Ich bin keiner von den Nerds wie Jonas, die die ganze Zeit vorm Rechner hängen. Ich lebe lieber im richtigen Leben. Sorry, Lisa. Ich weiß, du hast ihn geliebt, aber du kannst nicht erwarten, dass ich ihm jetzt wo er tot ist, einfach verzeihe. Karma war das. Karma, Baby.“

In diesem Moment vibrierte sein Smartphone und Max sah kurz auf dem leuchtenden Display das Hintergrundbild: der blonde Schönling und Lisa – lächelnd, Arm in in Arm. Bevor Max etwas erwidern konnte, standen die beiden auf und verließen eilig die Mensa.

Schlussfolgerungen

Nach ihrer Rede und der Schweigeminute für Jonas, trafen sich Jacqueline und Max wieder in ihrem Büro. Max erzählte ihr von seiner Recherche, der Begegnung in der Mensa und dem seltsamen Verhalten der beiden Studenten. Jacqueline hörte gespannt zu. Sie fand das Pärchen genau wie er verdächtig. ‚‚Die große Liebe war das wohl kaum, wenn sich Lisa nicht einmal 24 Stunden nach dem Tod ihres Verlobten von einem anderen Typen begrapschen lässt“, meinte Jacqueline spitz. ‚‚Er hat sie nicht wirklich begrapscht“, versuchte Max zu erklären. ‚‚Seine Gesten waren schon tröstend, aber zu besitzergreifend für einen bloßen Kumpel. Du weißt schon, er hatte diesen Blick drauf, den sie immer drauf haben wenn sie denken: Ich will dich.“

Jacqueline rollte die Augen und sagte: ‚‚Ich hab’ schon kapiert. Da bist du offensichtlich Fachmann. Also will dieser Typ etwas von Lisa, oder die beiden hatten Mal etwas miteinander und er liebt sie immer noch. Wenn du nach 5 Minuten wusstest, was der Typ für Lisa empfindet, dann weiß sie das sicher auch. Wir haben keinerlei Beweise dafür, dass sie ihren Jonas wirklich liebte. Wir wissen dagegen, dass er egoistisch war und Menschen verletzte, die ihn mochten. Julius zum Beispiel. Vielleicht spielt Lisa ein falsches Spiel und mimt nur die trauernde Verlobte? Oder hat ihr Verehrer Jonas getötet um sie zu erobern?“

Max grinste und meinte: „„Ganz schön viele Verdächtige für einen Tag. Wir beide stellen uns gar nicht schlecht an zusammen. Julius und der Schnösel haben ein klares Motiv, über Lisa müssen wir noch weitere Nachforschungen anstellen und es gibt ja noch mehr potentielle Verdächtige wie zum Beispiel Jonas Exfreundin.“

Jacqueline sah aus dem Fenster und in ihrem Kopf begann etwas zu arbeiten. Dann sprang sie auf: ‚‚Ich habe eine bessere Idee. Klar könnten wir gefühlte Jahre lang Leute bequatschen, um herauszufinden wie sie zum Opfer standen und ob sie ein Motiv hätten. Aber wir können es viel smarter angehen. Wir beamen uns einfach zurück in Jonas Leben und forschen in seinen letzten Gedanken und Äußerungen!“

Max sah nicht beeindruckt aus. Er griff in eine Tüte Haribos, die seit Ostern auf ihrem Schreibtisch lag und warf sich eine Handvoll Gummibärchen in den Mund. Kauend nuschelte er, ‚‚Wo steht die Zeitmaschine, Jacqueline McFly?“ Jacqueline warf ihm ein Gummibärchen an den Kopf. ‚‚Du hast wohl vergessen, dass ich Informatikerin bin. Ich kann Jonas Email-Adresse hacken und uns Zugang zu seinen intimen Mails verschaffen.“ Dann wandte sie sich ihrem Rechner zu und Max beobachtete fasziniert wie ihre Finger begannen in eiligem Tempo über die Tastatur zu flitzen. Über den Bildschirm huschten erst Zahlenkolonnen, dann für ihn völlig kryptische Befehle. Viele neue Fenster poppten auf und verschwanden wieder.

Max beobachtete sie und stellte fest, dass Jacqueline offensichtlich gut in dem war, was sie unterrichtete. Nach wenigen Minuten erschien schon der Posteingang eines Mailservers und die Hackerin ließ sich mit einem selbstgefälligen Gesichtsausdruck in ihren Bürostuhl zurückfallen. Zwei Klicks später stießen sie auf den Jackpot. Jacqueline las aufgeregt die letzte Email des Toten vor. Sie war an die Adresse moriarty.sensei@noone.de gerichtet und enthielt nur 3 Sätze:

‚‚Ich kann nicht mehr. Ab morgen muss Schluss sein damit, sonst gehe ich zur Polizei. Ich habe alle Beweise auf meinem Laptop.“

Max und Jacqueline starrten überrascht auf die drei Zeilen. Eine Weile schwiegen beide und wäre noch jemand im Büro gewesen, hätte er förmlich hören können, wie es in ihren beiden Köpfen ratterte. ‚‚Ich glaube, ich weiß jetzt, wer der Mörder ist!!“, sagte Max plötzlich aufgeregt. ‚‚Mann, bin ich froh. Du bist es jedenfalls nicht gewesen, das ist jetzt klar!“

Jackie war viel zu gespannt zu erfahren, wer der Mörder war, um Max darauf mit einem schnippischen Kommentar zu antworten. ‚‚Wer war es denn nun? Und was war das Motiv?“ 

Wisst ihr es auch?Auf Seite 2 findet ihr die Lösung unseres Berlin-Krimi-Rätsels #1: Die schwarze Spinne im Datennetz!