Erzählspiele regen die Phantasie an und bieten die Möglichkeit in einer Gruppe interaktiv eine Geschichte zu erfinden.

Am Lagerfeuer unterm Sternenhimmel oder im Wohnzimmer gemütlich in Decken gehüllt: Erzählspiele sind zeitlos, kreativ und interaktiv und begeistern Jung und Alt.

Mit der Entwicklung der Sprache kam auch das Erzählen in die Welt. Anthropologen gehen davon aus, dass schon unsere ältesten sprachbegabten Vorfahren in der Urzeit sich Geschichten erzählten. Gemeinsam in einer Gruppe einer live erzählten Geschichte zu lauschen, hat heutzutage etwas Archaisches, weil dafür in der Welt der Erwachsenen kaum mehr Gelegenheit ist. Fernsehen, Computer und Unterhaltungsmedien haben das Geschichtenerzählen abends am Kamin ersetzt- und das Zuhören.

Das menschliche Bedürfnis nach Geschichten stillen die meisten Menschen über das Anschauen von Serien oder Filmen, manche auch über das Lesen von Büchern. Und dagegen ist auch überhaupt nichts zu sagen, das sind alles wunderbare Freizeitbeschäftigungen.

Warum Erzählspiele?

Doch es lohnt sich auch für Erwachsene, zur mündlichen Urform des Erzählens zurück zu kehren, einmal selbst kreativ zu sein und gemeinsam eine Geschichte zu erschaffen. Genau dafür gibt es Erzählspiele, bei denen nicht ein einziger Erzähler eine Geschichte erfindet, sondern eine Gruppe gemeinsam den Faden der Erzählung spinnt.

Gerade für Kinder sind Erzählspiele ein besonderes Erlebnis, weil sie selbst am Fortgang der Geschichte beteiligt sind und ihre eigenen Ideen und Vorstellungen in die Handlung einbringen können. Gleichzeitig sind Erzählspiele auch eine gute pädagogische Methode, wie Kinder spielerisch ihre Sprach- und Ausdrucksfähigkeit üben und verbessern. Und auch Erwachsene können dabei enorm viel Spaß haben sowie ihre kreativen Fähigkeiten ausbauen. Denn auch die Fantasie ist wie ein (in dem Fall geistiger) Muskel, der trainiert werden will.

Erzählspiele eignen sich sowohl als Beschäftigung für eine Gruppe Kinder, z.B. bei einer Jugendfreizeit, als schönes Familienspiel für Eltern und Kinder, wie auch als Idee für einen besonderen Abend mit anderen erwachsenen Freunden. Die Atmosphäre des Orts trägt natürlich auch viel zur Kreativität der Gruppe bei: Rund um ein Lagerfeuer im Wald oder abends auf dem Zeltplatz, vor einem Kamin oder in einem etwas abgedunkelten Raum, wird die Fantasie beflügelt.

Um dem gemeinsamen Erzählen eine Struktur zu geben, gibt es sehr gute Erzählspiele, von denen wir euch hier 5 besonders gelungene vorstellen.

5 Erzählspiele für Kinder und Erwachsene

1. Reihum ein Satz

Die einfachste Form eines Erzählspiels ist, das jeder in der Gruppe reihum einen Satz zur Geschichte beiträgt und diese sich auf diese Weise entwickelt. Je nach der Zusammensetzung der Gruppe und danach, ob die Erzähler an einem Strang ziehen oder auf verschiedene Ausgänge der Geschichte hinarbeiten, können dabei sehr spannende und auch witzige Geschichten entstehen, voller unerwarteter Wendungen und absurder Ideen.

2. Mit Gegenständen erzählen

Diese Variante bietet sich an, wenn man in einer Wohnung oder an einem Ort ist, an dem es viele interessante oder obskure Gegenstände gibt, z.B. auf einer Hütte in den Bergen. Im Prinzip funktioniert dieses Erzählspiel gleich wie das Erste, nur das jeder Spieler sich auch einen Gegenstand in Sichtweite aussucht (er kann ihn auch aus einem anderen Raum herbringen oder aus der Hosentasche holen), den er in die Erzählung einbringt.

Die Herausforderung für alle Spieler besteht darin, die Geschichte so zu erzählen, dass alle gewählten Gegenstände in ihr eine wichtige Funktion haben. Je unterschiedlicher und ausgefallener die Objekte sind, desto fantasievoller und verrückter wird die Art sein, wie die Spieler sie in die Erzählung einbinden.

Als Variante davon kann auch jeder Spieler dem nächsten in der Runde einen Gegenstand vorgeben, denn dieser in die Erzählung einflechten soll.

3. Verschiedene Enden

Für diese Variante erzählt zuerst einer der Anwesenden etwas länger und schildert eine Ausgangssituation, dann haben die anderen Spieler kurz Zeit, sich zu überlegen, wie die Geschichte ausgeht und jeder von ihnen erzählt reihum sein Ende. Wessen Schluss der Geschichte den anderen am Besten gefällt, der darf mit der nächsten Erzählung beginnen.

4. Begriffe ziehen

Jeder Mitspieler schreibt einen Begriff auf einen Zettel und faltet diesen zusammen. Die Zettel werden in einem Korb oder einer Schale gesammelt und gemischt und jeder zieht einen. Dieser Begriff muss nun in die Geschichte eingebracht werden.

5. Rollenspiel

Jeder denkt sich eine Rolle für sich aus, das kann eine imaginäre Figur sein oder eine allgemein bekannte, ganz egal. Der erste Erzähler der Runde beginnt damit, sich vorzustellen und beschreibt seine Ausgangssituation und seine ersten Handlungen, außerdem einen Ort oder eine Situation wo er Spieler 2 trifft. Dieser fährt dann fort, stellt sich ebenfalls vor und spinnt die Geschichte weiter bis zur Begegnung mit der nächsten Figur: Spieler 3 etc.

So findet sich eine Gruppe von Helden zusammen, wobei ein Spieler sich natürlich auch entschließen kann, als Gegner der Übrigen aufzutreten. Gemeinsam wird so ein Abenteuer gesponnen, wobei jeder aus seiner Ich-Perspektive erzählt, was er sieht, hört und macht.

Es gibt noch viele weitere Erzählspiele, manche davon auch mit Spielmaterial, das man erwerben kann, wie Story Cubes bei dem man die Motive, die man in die Gechichte einbauen muss, erwürfelt. Gute Erzählspiele regen die Fantasie der Teilnehmer an und sorgen für spannende Interaktion zwischen ihnen. Alle Erzählspiele haben gemeinsam, dass Erzählen, Erfinden und Imaginieren zusammen altersunabhängig grandiose Unterhaltung bieten. 

Welche Erzählspiele spielst du am liebsten?