Motto-Kochen ist inspirierend: Das Motto Frankreich unter Napoleon ließ mich eine kulinarische Tricolore kreieren.

Motto-Kochen ist eine wundervolle Möglichkeit für Hobbyköche, sich gegenseitig zu neuen Kreationen zu inspirieren. Für mich hieß das Motto dabei zuletzt: Frankreich unter Napoleon! Was mir dazu eingefallen ist, und wie ihr es nachkocht, gibt es hier zu lesen.

  • Motto-Kochen unter dem Motto: „„Frankreich unter Napoleon“
  • Vorspeise: „„Korsische Schnecken“ / „„Escargots corses“
  • Hauptgang: „„Ein Zweispitz auf drei Farben, dazu Bonaparte“ / „„Un bicorne sur drapeau tricolore avec Bonaparte“
  • Nachspeise: „„Napoleon – Der Horror Europas“ / „„Napoleon – L’horreur de l’Europe“
  • Getränk: Französischer Rotwein (z.B. Bordeaux) / Vin rouge de Bordeaux

Vier Freunde – ein Ritual: Jede Woche aufs Neue fordern wir uns gegenseitig zum Motto-Kochen heraus. Wir kochen gemeinsam, oder jeder steuert etwas zum Menü dazu bei. Einer von uns ist der Chef de cuisine und setzt dabei immer sprichwörtlichen den Hut auf – oder besser gesagt die Kochmütze. Diesmal war ich an der Reihe, den Küchenchef zu spielen. Bei unserem Motto-Kochen ist der Küchenchef auch dafür zuständig, sich zu überlegen, wie man das Motto umsetzt.

1. Motto-Kochen: Was Napoleon mit Bohnen zu tun hat

Bei der Auswahl unserer Mottos wählen wir gerne Begriffe, die zunächst nichts mit Essen zu tun haben. Das Motto-Kochen wird dann eine echt kreative Herausforderung für den Chefkoch, der sich dazu etwas einfallen lassen muss. Aber solche Mottos regen enorm die Phantasie an und spornen uns zu kulinarischen Höchstleistungen an: Motto-Kochen ist bei uns auch immer die Challenge, wie gut man die Herausforderung meistert..

Mein erster Schritt bei der Ideenfindung für das Motto-Kochen besteht darin, Assoziationen zu sammeln, die mit dem Motto zusammenhängen. In diesem Fall also Frankreich unter Napoleon. Folgendes waren einige meiner Assoziationsketten:

  • Napoleon → Bonaparte → „„Bohnen apart“
  • Französischer Nationalismus → Französische Flagge: Tricolore
  • Napoleons typischer Hut,  der ‚‚Zweispitz“, den er auf vielen Gemälden trägt
  • Napoleon aus der Sicht seiner Feinde: Der Horror Europas
  • Französiche Küche → Froschschenkel, Schnecken etc.

Aus diesen Ideen entwickelte ich die 3 Gänge meines ganz persönlichen Napoleon-Menüs.

2. Motto-Kochen – Die Vorspeise: Korsische Schnecken

Beim Motto-Kochen darf es auch mal etwas ausgefallenes geben wie Weinbergschnecken.
Typisch französische Delikatesse – Weinbergschnecken als Vorspeise

Ich gebe es zu: bei der Vorspeise habe ich mir etwas Einfaches ausgesucht, was man eigentlich nur in den Backofen schieben musste: Schnecken mit Knoblauchbutter. Was verbindet man mit Französischer Küche? Ich glaube, wir alle kennen das Klischee: Froschschenkel!

Froschschenkel sind allerdings in Deutschland schwer zu bekommen und aus Artenschutzgründen auch ethisch eine bedenkliche Wahl. Die zweite typische französische Delikatesse, die mir einfiel, waren Weinbergschnecken.

Ebenso wie Froschschenkel sind Schnecken nicht jedermanns Geschmack. Aber wer sich nicht davor ekelt, dem würde ich raten, sie mal zu probieren. Man bekommt Schnecken mittlerweile auch tiefgefroren in vielen deutschen Supermärkten. Schnecken sind vom Geschmack und der Konsistenz am ehesten mit Garnelen und Muscheln vergleichbar.

Napoleon kam aus Korsika, man könnte sagen, für seine Feinde war er der „„korsische Schrecken“. Auf Korsika gibt es tatsächlich eine ganz spezielle einheimische Weinbergschneckenart. Diese Schnecke ist sehr selten und die Weinbergschnecken, die ich serviert habe, waren vermutlich keine korsischen.

Aber beim Motto-Kochen ist auch Kreativität bei der Namensgebung der Gerichte gefragt. Also taufte ich den ersten Gang „„Korsische Schnecken“ zu Ehren von Napoleon, dem „„Korsischen Schrecken“. 😉

Oder für alle die französisch sprechen und lieben: „„Escargots corses“

Zutaten (für 4 Personen):

1-2 Packungen Weinbergschnecken aus dem Supermarkt (eine Packung enthält meist 12 Stück)

Zubereitung und Essen:

Für die Zubereitung der Schnecken benutzen echte Gourmets spezielle Schneckenpfannen. Zum ausprobieren reicht es aber, wenn ihr die Schnecken auf einem Backblech im Ofen gart.

Achtet nur darauf, dass die leckere Kräuterbutter nicht davon fließt. Um die Schnecke aus ihrem Häuschen zu ziehen gibt es spezielle Schneckenzangen. Aber mit einer Gabel mit langen Zinken oder einem Zahnstocher und etwas Geschick kommt ihr auch ans Ziel. 😉

3. Motto-Kochen – Das Hauptgericht: Ein Zweispitz auf drei Farben, dazu Bonaparte

Motto-Kochen mit Napoleon: Zweispitz und Tricolore auf dem Teller.
Ein Napoleonhut auf den Farben Frankreichs als Hauptgericht.

Bei diesem Motto-Kochen für das Hauptgericht nahm ich mir etwas aufwendigeres vor. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, Napoleons Hut und die französische Flagge zuzubereiten!

Die Tricolore

Noch heute ist sie der Stolz der Franzosen und nicht nur Fußballfans kennen sie weltweit: die französische Flagge, auch als Tricolore bekannt. Die drei senkrechten Streifen in Blau, Weiß und Rot gehen auf die Zeit der Französischen Revolution zurück. Sie stehen für deren Werte: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Seit 1794 ist die Tricolore die offizielle Flagge Frankreichs.

Meine Idee war es, auf jedem Hauptspeisenteller diese Flagge als Untergrund anzurichten. Weiß und Rot waren dabei schnell gefunden: weißer Reis und eine würzige Paprika-Tomaten-Sauce als roter Streifen. Von Natur aus blaue Speisen gibt es nicht viele, doch schließlich entschied ich mich für Blaubeeren. Auch für mich war eine Überraschung, wie ausgezeichnet die Heidelbeeren meiner Kreation passten.

Der Zweispitz

Woran erkennt man, das jemand als Napoleon verkleidet ist? In erster Linie an dem typischen Hut, dem geschwungenen Zweispitz. Heute verknüpft man diesen Hut so sehr mit dem französischen Eroberer, dass er auch die Bezeichnung Napoleonshut trägt.

Diesen Hut wollte ich auf der Tricolore servieren und versuchte mich daran, ihn aus panierten Schweineschnitzeln zu bauen. Urteilt selbst über das Ergebnis! 🙂

Motto-Kochen mit Napoleon - Panierte Schnitzel
Schnitzel in Form von Napoleonhüten – mit etwas Fantasie

„„Bohn-Apart“

Am Schluss konnte ich mir nicht verkneifen, mein Hauptgericht mit einem visuellen Kalauer abzurunden. Während ich den Napoleonshut und die Tricolore auf jedem Teller anrichtete, stellte ich noch eine Schale mit roten Bohnen auf den Tisch. Jeder konnte sich Bohnen getrennt nehmen. Somit servierte ich im Gegensatz zu den anderen Zutaten die Bohnen apart… 😉

Dem Hauptgang gab ich den klangvollen Namen: Ein Zweispitz auf drei Farben, dazu Bonaparte oder für Frankophone: „„Un bicorne sur drapeau tricolore avec Bonaparte“.

Zutaten (für 4 Personen):

  • 500 g Heidelbeeren
  • 500 g weißer Reis
  • 2 Dosen gehackte Tomaten (Pizzatomaten)
  • 2 rote Paprika
  • 1 rote Zwiebel
  • 3 Zehen Knoblauch
  • 500 g rote Bohnen
  • Salz, Pfeffer
  • Öl (zum Braten)
  • Französischer Rotwein (z.B. Bordeaux)
  • 4 Schnitzel (vom Schwein oder Kalb, je nach Geschmack)

Für die Panade:

  • Mehl
  • Eier
  • Semmelbrösel

Zubereitung:

Den Reis ca. 20 min lang weich kochen und leicht salzen. Paprika, Zwiebel und Knoblauch fein hacken und kurz bei hoher Temperatur in etwas Öl anbraten. Dann mit den gehackten Tomaten und etwas Rotwein ablöschen, kurz köcheln lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Heidelbeeren waschen und abtropfen lassen.

Tipp: ihr wollt eine schöne Flagge hinbekommen, darum sollte eure rote Sauce nicht zu flüssig sein, denn sonst verläuft sie auf dem Teller und die Farben vermischen sich.

Die Schnitzel möglichst schon in die Form eines Napoelonhuts zurechtschneiden. Erst in Mehl wälzen, dann in verquirlten Eiern, in Semmelbröseln oder Paniermehl wälzen und in viel Öl bei großer Hitze kross braten. So funktioniert das Panieren meiner Erfahrung nach am Besten.

Auf jedem Teller richtet ihr dann zunächst die Tricolore an. Fangt mit einem dicken Mittelstreifen aus weißem Reis an, dann könnt ihr links davon mit den Blaubeeren und rechts davon mit eurer Paprika-Tomatensauce die andere Streifen anrichten.

Über die Tricolore legt ihr ein Schnitzel in Form eines Napoleonhuts. Wenn ihr mehrere kleinere Schnitzel habt, könnt ihr auch zwei gegeneinander lehnen wie bei einem Kartenhaus und so einen dreidimensionalen Zweispitz basteln.

Zu dem Hauptgericht passt natürlich wunderbar ein guter französischer Rotwein!

4. Motto-Kochen – „„Die Nachspeise: Napoleon – Der Horror Europas“

Motto-Kochen umfasst bei uns mehrere Gänge, auch ein Dessert ist meist dabei.
Napoleon in Stimmung für eine Schlacht

Ob Napoleon für Europa eher ein Segen oder ein Fluch war, überlasse ich lieber der Historikern. Ich habe ein paar Jahre in Franken gelebt und dort nimmt man es Napoleon noch heute übel, dass er die Region Franken 1803 dem Königreich Bayern als Gebiet zugesprochen hat.

Noch ausschlaggebender für meine Benennung des Nachtischs war allerdings, dass sich dieser Titel auf französisch einfach gut anhört: „„l’horreur de l’Europe“.

Was ich unter diesem Namen servierte, war eine feine Vanillecreme nach französischer Art, garniert mit der sehr frei gestalteten Fratze Napoleons! 😉

Zutaten (für 4 Personen):

  • 250 g Crème double oder Crème fraîche
  • 100 g Butter
  • 80 g Puderzucker
  • 6 Eigelb
  • 1 Vanilleschote (am Besten Bourbonvanille)
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Prise Salz

Zum Dekorieren:

  • Erdbeeren
  • Pistazien (ungesalzen)
  • Essbare Schnurrbärte und Augen (aus Schokolade oder Zuckermasse)
  • oder alles was euch noch einfällt 🙂

Zubereitung:

Die Crème double oder fraîche (etwas fettarmer) mit einem Schneebesen oder einem elektrischen Handrührgerät steif schlagen. Die Butter in einem Topf bei niedriger Temperatur schmelzen lassen und dann schaumig rühren. Die Vanilleschote mit einem scharfen Messer aufschlitzen, das Mark herauskratzen und mit der Butter verrühren. Den Vanille- und Puderzucker mit den 6 Eigelb und einer Prise Salz und Eigelb in einem warmen Wasserbad 10 Minuten lang cremig schlagen.

Die Eigelb-Zucker-Mischung nach und nach unter die schaumige Butter heben. Dann die Creme double unterziehen und die französische Vanille-Creme etwa 4 Stunden kalt stellen.

Vor dem Servieren ganz nach eurem Belieben dekorieren: zum Beispiel mit Napoleons Gesicht, oder sonst einem Motiv, dass zu eurem Motto-Kochen passt.

Ich wünsche euch: Bon Appetit! Ihr habt Lust auf noch mehr Motto-Kochen? Noch mehr kreative Rezepte und Mottos findet ihr hier und hier.