Ein Monster im Ofen backen ist gar nicht schwer mit diesem Rezept!

Eine literarische Figur im Ofen backen – was zum Teufel…? Wieder einmal haben meine Freunde mir ein Motto zum Kochen vorgegeben, diesmal ein herrlich Makaberes. Was ich daraus gezaubert habe und wie ihr es nachkocht, könnt ihr hier lesen!

  • Motto-Kochen unter dem Motto: ‚‚Literarische Figur im Ofen‘‘
  • Vorspeise: ‚‚Dichterhand mit Papiersuppe‘‘
  • Hauptgang: ‚‚Der große Cthulhu kross gebacken‘‘

Jede Woche aufs Neue fordern wir gegenseitig unsere Kreativität und unsere Kochkünste beim Motto-Kochen heraus. Diesmal hatte mein Motto einen makaberen Beigeschmack: eine literarische Figur im Ofen!

1 – Der ursprüngliche Plan – Hänsels Hand und das Hexenhaupt

Mir fiel sofort etwas dazu ein: die Hexe aus ‚‚Hänsel und Gretel‘‘! Aber das ist eigentlich zu naheliegend, dachte ich bei mir. Motto kochen bietet für mich auch immer die Chance, meine Kreativität beim kochen zu zeigen und die die Erwartungen zu übertreffen. Dennoch blieb ich vorerst bei dieser Idee.

Doch beim Motto-Kochen ist es wie bei jeder kreativen Tätigkeit – man fängt mit einer Idee an und im Laufe des Schaffensprozesses kann diese sich noch mehrmals wandeln!

Mein ursprünglicher Plan für die literarische Figur im Ofen stützte sich ganz auf das Grimm’sche Märchen ‚‚Hänsel und Gretel‘‘. In diesem Märchen hält die Hexe Hänsel in einem Käfig gefangen und mästet ihn, um ihn im Ofen zu schmoren.

Um festzustellen, wie dick er schon gemästet ist, überprüft sie jeden Tag die Dicke von Hänsels Fingern. Doch Hänsel überlistet die kurzsichtige Hexe, indem er ihr statt seinen Fingern dünne Stöckchen durch die Gitterstäbe reicht.

Ganz anders kommt es in meiner Version des Märchens! Als George-R.R.-Martin-Leser habe ich eine Schwäche für überraschende Wendungen in einer Geschichte. In meiner Version sollte die Hexe Hänsels List erkennen und ihn zubereiten. Dazu sollte es in meinem Schauermärchen weiße Knochensuppe geben!

Gretel kommt also zu spät und kann ihren Bruder nicht mehr retten. Aber genau wie im Original-Märchen gelingt es ihr, die böse Hexe zu besiegen und hinterrücks in den Ofen zu stoßen. Da in meinem Ofen kein Platz für eine Hexe ist, entschloss ich mich, nur ihren Kopf zuzubereiten, das Hexenhaupt.

2 – Dichterhand mit Papiersuppe – Was aus meiner Vorspeise wurde

Wie gesagt: beim Motto-Kochen kann schnell etwas anderes herauskommen, als man am Anfang vor hatte. Mein Hauptgang verwandelte sich vom Hexenhaupt in mein literarisches Lieblings-Monster und auch die Vorspeise wurde letztlich ganz anders. 

Und zwar zur kulinarischen Allegorie des literarischen Schaffens! Aus Karotten erschuf ich die Dichterhand und aus Blumenkohl ein leckeres Süppchen, dass die leere weiße Seite darstellt, die den Dichter dazu einlädt, sie mit Worten zu füllen. Statt den ersten Worten eines Satzes verzierten geröstete Pinienkerne und Brotkrumen, sowie etwas Petersilie meine Papiersuppe.

Zum Monster im Ofen passt die erfinderische Dicherhand aus Möhren als Vorspeise.
Des Dichters Hand und die weiße Seite

Zutaten (für 4 Personen)

  • 5-6 Möhren pro Dichterhand
  • 1 kg Blumenkohl (frisch oder tiefgefroren)
  • Salz, Pfeffer
  • Muskat
  • Zitronensaft
  • Gemüsebrühe
  • Knoblauch
  • Pinienkerne
  • Brot für Croutons
  • Glatte Petersilie
  • Butter oder Öl zum Braten

Zubereitung der Dichterhand

Je nachdem, wie viele Dichterhände ihr serviert, braucht ihr eine unterschiedliche Zahl Möhren. Pro Hand benötigt man mindestens 5. Beim Kaufen solltet ihr darauf achten, die Karotten von der Form und Größe so auszuwählen, dass man daraus Finger schnitzen kann. Dann ist euer Geschick gefragt! 🙂

Wir haben die Möhrenfinger roh und knackig als Beilage zur Suppe gegessen, aber theoretisch könnt ihr die zurechtgeschnitzten Finger natürlich auch kochen oder kurz in der Pfanne anbraten. Ganz nach eurem Geschmack.

Kleiner Hinweis: Wir haben uns den Spaß gemacht, eine Dichterinnenhand zu kreieren und den Fingern noch einen Nagellack aus Glitzerzucker verpasst… 😉

Zubereitung der Papiersuppe

Zuerst muss man den Blumenkohl garen und das Kochwasser bis auf einen kleinen Rest auffangen. Dann püriert man den Blumenkohl und rührt je nach gewünschter Konsistenz noch etwas von dem Kochwasser unter. Mit Salz, Pfeffer, Muskat, ein wenig Zitronensaft und etwas Gemüsebrühe abschmecken.

Zur Verfeinerung der Suppe Pinienkerne und Brotstücke mit fein gehacktem Knoblauch in etwas Butter oder Öl anrösten. Damit und mit der Petersilie jede Portion Suppe garnieren.

3 – Von der Hexe über Dracula zum großen Cthulhu

Zunächst verfolgte ich weiter meinen Plan, das Hexenhaupt zuzubereiten. In Ermangelung eines echten Hexenkopfes nahm ich ein Brathähnchen als Ersatz. 🙂 Nun war die große Frage, wie ich das Brathähnchen am besten in das Haupt der Hexe verwandle.

Für die Augen suchte ich Radieschen aus – das Böse hat schließlich immer rote Augen, oder? Die krumme Hexennase und die schiefen Zähne wollte ich aus einer Mairübe schnitzen. Und Wirsing ist mit seinen gekräuselten, grünen Blättern perfekt als wirres grünes Hexenhaar geeignet. Dazu noch Kartoffeln und Möhren als Beilage. Und da die blutrünstige Hexe ja Menschen frisst, rote Preiselbeeren als Füllung!

Doch dann kam alles anders! Es fing damit an, dass ich keine zufrieden stellende Hexennase aus den Mairübchen hin bekam. Und die kleinen, schiefen Zähne ließen sich auch schwer am Brathähnchen befestigen. Besser klappte es mit zwei großen Hauern! Damit sah mein dampfender Hauptgang allerdings eher nach Vampir als nach Hexe aus.

Kein Problem, denn das Motto lautete ja: literarische Figur im Ofen. Warum also nicht Dracula daraus machen? Am Ende wurde es dann doch der große Cthulhu – das tentakelbewehrte, grausige Monster aus den Geschichten von H. P. Lovecraft. Wer diese noch nicht kennt und sich für Horror und das Unheimliche begeistert, sollte diese großartigen Horrorgeschichten unbedingt mal lesen!

Cthulhu im Ofen zubereitet schmeckt lecker!
© Microcinema – The Call of Cthulhu (2005) – Filmposter

Mit den großen Radieschen-Augen und ohne richtige Nase sah mein Brathähnchen-Kopf aus dem Ofen schon nach Krake aus. Die Möhren wurden zu Tentakeln und der geschmorte Wirsing zu Seetang, der dem großen Cthulhu auf dem Leib klebt. Und die Preiselbeerfüllung? – In meiner Fantasie hat das riesige Tentakelmonster einen genau so blutigen Speiseplan wie Vampire oder Hexen. 🙂

Zutaten – Cthulhu im Ofen (für 4 Personen)

Für den Ofen:

  • 1 Brathähnchen (ca. 1,3 kg)
  • 800 g Kartoffeln (vorwiegend festkochend)
  • 2 Radieschen
  • 1 Mairübe (alternativ Rettich)
  • 8 Karotten
  • 1 Glas Preiselbeeren
  • 2-3 rote Zwiebeln Gemüsebrühe

Für die Pfanne:

  • 1 Kopf Wirsing
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • Öl
  • Salz, Pfeffer, Muskat, Kümmel

Für die Marinade:

  • 1 Knolle Knoblauch
  • Thymian
  • Olivenöl
  • Salz, Pfeffer
  • Zitronensaft

Zubereitung des großen Cthulhu im Ofen

Falls ihr ein tiefgekühltes Brathähnchen nehmt, taut es erst vollständig auf und vergesst nicht den Plastikbeutel mit Innereien zu entfernen: sonst gibt es eine böse Überraschung im Ofen! Und die hat nichts mit Hexen und Monstern zu tun, sondern mit geschmolzenem Plastik und einem ungenießbaren Brathähnchen…

Das Brathähnchen zunächst mit Preiselbeeren füllen und mit Zahnstochern und / oder Bindfaden verschließen. Dann mit einer Marinade aus Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Thymian und viel Knoblauch (wir haben eine ganze Knolle gehackt) einreiben und in eine eingefettete Backform legen.

Die Kartoffeln mit dem Rest der Marinade beträufeln, die Zwiebeln in Ringe schneiden und alles in die Backform geben. Die Möhren schälen und im Ganzen ebenfalls dazu legen. Wer einen Römertopf benutzt, schließt einfach den Topf: so bleibt der große Cthulhu köstlich saftig. Bei einer normalen Ofenform deckt man den großen Cthulhu mit einer Haube aus Alufolie ab.

Dann ab damit in den vorgeheizten Ofen. Bei 200° C Ober- und Unterhitze bzw. 180° C Umluft ca. 80-100 Minuten darf Cthulhu jetzt schmoren. Wenn das Fleisch gar ist, nochmal 10 Minuten ohne Abdeckung grillen, damit Cthulhu eine leckere Kruste bildet.

Während Cthulhu im Ofen schmort, den Wirsing kleinschneiden und bei niedriger Temperatur in einer Pfanne schmurgeln. Wie ihr ihn würzt ist Geschmacksache. Ich habe ihn mit Salz, Pfeffer, etwas Muskat und Kümmel abgeschmeckt und feingehackte Lauchzwiebeln unter gemengt.

Tipp: Schneidet bei den Wirsingblättern den dicken Strunk in der Mitte heraus, er ist holzig und schmeckt nicht so gut.

4 – Dekoration – So verwandelst du dein Brathähnchen in ein Monster der Tiefsee

Im Ofen geschmort sind Hähnchen und Gemüse einfach herrlich.
So wird ein Brathähnchen zum Tentakelmonster

Aus der Mairübe schnitzt du zwei große flache und längliche Dreiecke für die Reißzähne des Monsters Cthulhu. Und von zwei Radieschen schneidest du den fadenartigen Wurzelstrunk und die grünen Blätterenden ab.

Wenn dein Brathähnchen fertig ist, kann das Gestalten losgehen. Zunächst drehst du das Brathähnchen so, dass die Oberseite nach oben gekehrt ist und die Hinterseite zu dir zeigt. Dann schiebst du die Reißzähne aus Mairübe zwischen die Keulen des Brathähnchens und drückst die Radieschen als diabolisch rote Glubschaugen in das zarte Fleisch.

Die Karotten ordnest du sternförmig wie Tentakel um den Kopf an und den Seetang / Wirsing drapierst du lässig über dem Haupt des großen Cthulhu.

Und nun guten Appetit bei diesem schaurig-schönen, herrlich makaberen Mahl! Weitere kreative Rezepte und Ideen zum Motto-Kochen findet ihr hier und hier.