Videos schneiden kann heute jeder zu Hause auf dem Computer oder sogar dem Smartphone.

Jeder kann am PC oder Smartphone Videos schneiden. Aber worauf es im Schnitt ankommt, damit dein Video wirkt und richtig geil aussieht, weiß nicht jeder. Wir geben dir hier unser wichtigsten Basic-Tipps!

Du hast mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden einen geilen Kurzfilm gedreht. Ihr habt alles im Kasten, der Film ist quasi schon fertig. Na gut, geschnitten werden muss er noch, aber das läuft ja beinah wie von selbst mit der richtigen Software. Richtig?

Nun ja, nicht ganz. Natürlich ist gutes Material die Basis jedes guten Films bzw. Videos, aber erst im Schnitt erweckst du es zum Leben! Richtig geile Videos schneiden erfordert mehr als ein gutes Programm, aber auch als Laie und Hobbyfilmer kann man schon einen großen Unterschied erzielen, wenn man ein paar Basics beachtet.

Videos schneiden – 10 Basic-Tipps

1. Starke Bilder an den Anfang deines Videos schneiden

Tipps zum Videos schneiden - Beginne deine Video oder deinen Film mit starken Bildern.
Beim Videos schneiden solltest du an den Anfang ein paar starke Bilder setzen

Du kennst es aus dem Kino: ein Film zieht dich sofort in seinen Bann, wenn er mit starken Bildern beginnt. Wenn er dich sofort emotional packt, gleich zu Beginn durch rasante Action in Atem hält, deine Neugier weckt oder dich zum Lachen bringt. Der Beginn eines Films ist oft entscheidend dafür, ob ein Film das Publikum für sich gewinnen kann, also gib dein Bestes, deine Zuschauer von Anfang an zu fesseln!

  • Starke Bilder sind emotional! Statt am Anfang eines Streitgesprächs zu beginnen, spring lieber mitten hinein, wenn die Emotionen gerade hochkochen. Zeig das Close-Up einer weinenden Frau. Beginne mit einer Vase die donnernd an die Wand kracht und zerschellt. Zieh den Zuschauer so schnell wie möglich in die Emotion.
  • Starke Bilder sind actionreich! Du kennst bestimmt James Bond-Filme: am Anfang steht immer eine rasante Actionsequenz, die den Zuschauer sofort mitreißt und einen Vorgeschmack bietet auf das, was noch kommt. Dann erst nimmt die erklärende Exposition der Handlung in ruhigeren Szenen ihren Lauf.
  • Starke Bilder sind rätselhaft und machen neugierig! Durch den Sucher eines Scharfschützengewehrs sieht man ein Fenster, hinter dem sich ein Mann bewegt. Schnitt. Eine schwarz behandschuhte Hand spannt den Abzug eines Gewehrs. Schnitt. Der Mann steht immer noch am Fenster, plötzlich tritt neben ihn eine Frau und beugt sich vor um ihn zu küssen. Schwarzbild, ein Schuss, ein Schrei. Jetzt kannst du getrost zu einer ruhigen Dialogszene in einem bürgerlichen Wohnzimmer schneiden und dein Zuschauer wird trotzdem gebannt weiterschauen und sich die ganze Zeit fragen: Was ist da passiert? Wer wurde erschossen? Wer drückte den Abzug und warum?
  • Starke Bilder sind witzig! Dein Film soll witzig sein und gute Laune machen? Dann starte mit einem richtig guten Lacher und bring dein Publikum gleich in die richtige Stimmung!

2. Spannung durch Zeitsprünge aufbauen

Um mit starken Bildern zu beginnen, macht es manchmal Sinn, deine Geschichte nicht chronologisch zu erzählen. Vielleicht hast du die Story bzw. dein Drehbuch so geschrieben und vielleicht auch der Reihe nach gedreht, aber oft wirken die gleichen Bilder und Szenen viel stärker, wenn man ihre Reihenfolge ändert!

Kultfilme wie Pulp Fiction und Memento nutzen nicht-chronologisches Erzählen meisterhaft um Spannung aufzubauen und geschickt mit den Erwartungen des Publikums zu spielen. So virtuos  musst du aber gar nicht mit der Chronologie deines Films spielen. Es gibt zwei einfache, aber höchst effektive Zeitsprünge, durch die du Spannung erzeugst und deinen Film im Schnitt von gut zu richtig geil verwandelst: Vorgriff und Rückblende.

Wenn deine Story von einem Konflikt handelt, der sich langsam aufbaut und in einem furiosen Finale gipfelt… Zeig zu Beginn einen kurzen Ausschnitt von diesem Finale, ohne zu viel zu verraten natürlich. Zum Beispiel liegt der Held deines Films verletzt auf dem Boden mit schreckgeweiteten Augen und stammelt: „Nein…. nicht, bitte nicht…“ Schnitt. Schrifteinblendung: 1 Woche zuvor. Nach diesem Spannung weckenden Vorgriff lässt du den Konflikt sich aufbauen, aber der Zuschauer ist schon angefixt, denn er weiß, da kommt noch was großes.

Oder du arbeitest mit einer Rückblende. Rückblenden erzählen meistens etwas, was vor dem Beginn der eigentlichen Handlung stattgefunden hat, also eigentlich zuerst käme. Aber eine klug eingesetzte Rückblende kann zum Beispiel für einen richtig guten Twist sorgen. Zum Beispiel zeigt sie erst sehr viel später im Film dem Zuschauer ein Ereignis, das eine Figur oder sogar die ganze Handlung plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt!

3. Tempo und Rhythmus

Videos schneiden - Tipps für das eigene Video für Amateurfilmer
Videos schneiden für Amateurfilmer

Jeder Film und jedes Video braucht ein Tempo und einen Rhythmus. Für beides ist der Schnitt entscheidend. Und beides richtet sich nicht danach, wie lang ein Film ist bzw. werden soll, sondern welche Wirkung du damit anstrebst, was für ein Gefühl du vermitteln willst. Für Kurzfilme und für Anfänger empfiehlt es sich ein Tempo und einen Schnitt-Rhythmus im Film durchzuhalten.

Handelt dein Film von Liebe oder anderen großen Emotionen? Dann ist ein langsamer Schnitt-Rhythmus meist eine gute Wahl. Vor allem mimische Reaktionen brauchen Zeit um ihre Wirkung zu entfalten und authentisch zu wirken. Eins schneller MTV-Schnitt macht hier mehr kaputt, als das er hilft. Willst du dagegen Action und Spannung erzeugen, sind schnelle Schnitte das Mittel deiner Wahl. Aber Achtung: manchmal kann auch gerade eine ganz langsam ablaufende Szene die Spannung ins Unermessliche steigern. Denk an Gruselfilme oder Krimis! Und auch bei Komödien gibt es  solche und solche: schnell oder langsam.

In jedem Fall solltest du dich aber bewusst für ein bestimmtes Erzähltempo und einen bestimmten Schnittrhythmus entscheiden und beides konsequent umsetzen.

4. Die Perspektive wechseln

Wenn du unsere Tipps 1 und 2 beim Dreh (siehe unsere Basic-Anleitung Geile Videos drehen) befolgt hast, wirst du beim Videos schneiden schon einen riesigen Vorteil haben: genug Material für einen schönen Schnitt mit unterschiedlichen Perspektiven!

Die meisten Szenen gewinnen dadurch, dass du sie nicht nur aus einer Perspektive zeigst. Stell dir eine Dialogszene mit zwei Menschen im Café vor, die sich gerade kennen lernen und miteinander flirten. Aus nur einer Perspektive total gefilmt kann das im schlimmsten Fall recht dröge werden und die Szene entfaltet nicht die optimale emotionale Wirkung. Wenn du aber in entscheidenden Momenten auf Close-Ups ihrer Gesichter schneidest (nach dem Schuss-Gegenschuss-Prinzip) und zwischendrin kleine, aber vielsagende Gesten einbaust, wird die Szene sofort lebendiger, glaubwürdiger und emotionaler.

5. Flüssig Videos schneiden – Anschluss gibt’s nicht nur am Bahnhof

Beim Zusammenpuzzlen der verschiedenen Perspektiven einer Szene solltest du darauf achten einen flüssigen Schnitt zu erzeugen. Damit meine ich: funktionierende Anschlüsse, das Bild sollte nicht springen. Sogenannte Jump Cuts, bei denen das Bild sichtbar springt und der Schnitt dem Zuschauer also richtig auffällt, kann man punktuell als Stilmittel einsetzen, z.B. um Verwirrung der Protagonisten, das Vergehen von Zeit, einen Wendepunkt in der Handlung etc. visuell zu unterstreichen. In vielen Fällen sieht es aber einfach unprofessionell aus, nach nicht gewollt, aber nicht besser gekonnt!

Schon beim Drehen einer Szene aus mehreren Perspektiven sollte man daher auf Continuity achten. Dazu gehört nicht nur, dass die Darsteller die gleiche Kleidung anhaben, sondern auch, dass sie z.B. immer die gleichen Gesten und Bewegungen machen, während sie eine Szene spielen. Am schönsten gelingt dir ein flüssiger Schnitt, wenn du in die Bewegung schneidest, beispielsweise wenn jemand sich durch die Haare fährt, die Hand vor den Mund schlägt, nach einem Gegenstand greift, eine andere Person berührt etc.

Auch Übergänge von einem Raum in einen Nebenraum wirken dann flüssig, wenn du ins Gehen bzw. das Öffnen einer Tür reinschneidest, einmal aus der Perspektive im einen Raum gefilmt, einmal im anderen.

Wichtig: Im Schnitt solltest du genau die Stelle suchen, an der die Bewegung in der einen Perspektive an der gleichen Stelle ist, wie in der anderen Perspektive. Sonst erzeugst du einen (ungewollten) Jump Cut oder ein sogenanntes Double-Take, bei dem die Person einen Teil ihrer Bewegung zweimal auszuführen scheint.

6. Den Ton bei Videos schneiden 

Videos schneiden - Die wichtigsten Tipps
Auch der Tonspur sollte man beim Videos schneiden genug Aufmerksamkeit widmen

Achtung Tonlöcher! Wenn ihr merkt, das in einer Szene ein komisches Geräusch im Hintergrund zu hören war, dass ihr beim Dreh nicht bemerkt habt, dann könnt ihr es natürlich im Schnitt beseitigen. Allerdings entsteht so ein Tonloch, denn auch wenn gerade niemand spricht ist auf einer Tonspur nie absolute Stille zu hören. Füllt die Lücke also mit einem Stück passender „“Atmo“ (Hintergrundgeräusche dieser Szene).

Viele Geräusche kommen beim Dreh im Live-Ton nicht so knackig raus, wie man sie gerne hätte. Geräusche und Sound-Effekte machen aber einen wichtigen Teil der Atmosphäre von Filmen aus, sei es der Knall einer Explosion, prasselnder Regen oder das Knarzen alter Holzdielen. Selbst die größten Hollywood-Produktionen greifen dafür mitunter in die Trickkiste und nehmen anderswo aufgenommen Sounds aus dem Soundarchiv. Mittlerweile gibt es im Internet gute kostenlose Quellen für die wichtigsten Sound-Effekte und Geräusche.

10. Euer Film wird zu laaaaaaang… (-weilig)

Eine der wichtigsten und zugleich am schwersten umzusetzenden Lektionen, die nicht nur für’s Videos schneiden, sondern für jede kreative Tätigkeit gilt, ist: Kill Your Darlings!!!

Ihr habt endlich alles im Kasten, es ist Drehschluss und ihr seid guter Dinge. Vielleicht klappte nicht alles wie am Schnürchen, aber bei einer Sache seid ihr euch sicher: die Kamerafahrt am Kaffeetisch entlang sieht absolut geil aus! Total gelungen! Das beste Bild eures Films!

Dann geht ihr in den Schnitt und schneidet alles aneinander, natürlich auch diese suuuper Kamerafahrt am Kaffeetisch. Sie kommt gleich nach dem Streit der Protagonisten. Ihr schaut euch den Film in der Rohfassung an: er ist ganz in Ordnung, aber irgendwie zu lang. Ihr zeigt euren Film einem anderen Kumpel, sein Urteil: die Handlung ist gut, aber sie zieht sich etwas.

Ihr überlegt und überlegt, welche Szene ihr rauskürzen könntet, um das Tempo des Films zu erhöhen…

Es kostet jetzt einige Überwindung, aber es ist nötig: ihr müsst euer vermeintliches Glanzstück aus dem Video rausschneiden! Siehe da, der Film ist besser!

Schneide alle Bilder aus dem Film, die man nicht für das Verständnis der Handlung oder den Aufbau der Atmosphäre braucht! Zu wissen welche Bilder das sind, und welche nicht, gehört zu den schwersten Dingen beim Videos drehen bzw. Filme machen. Hier helfen verschiedene Meinungen ungemein, vor allem von Freunden, die mit dem Film bisher nichts zu tun hatten!

Wichtigster Tipp: Lieber zu kurz als zu lang! Denn die alleroberste Regel für Filme heißt: Langweile nie! Nie, nie, nie!!! 

Wenn du diese Basic Tipps beim Videos schneiden berücksichtigst, holst du das Beste aus deinem Material heraus!