Beim Rafting mit Freunden befährt man auch Stromschnellen

Action, Abenteuer und ein hautnahes Naturerlebnis – das gibt es beim Rafting. Diesen Wildwassersport habe ich mit Freunden auf der Isar vorm wildromantischem Panorama der Alpen ausprobiert. Warum ihr diese spritzige Gaudi auf gar keinen Fall versäumen solltet, erfahrt ihr in meinem Erlebnisbericht.

Ungebremste Action, Adrenalin pur, der ultimative Kick – Freizeitaktivitäten, die so beworben werden, sind normalerweise nicht meine Welt. Aber manchmal muss man zu seinem Glück erst gezwungen werden! Meine Rafting-Entjungferung hatte ich anlässlich des Junggesellenabschieds eines guten Freundes. Als ausgefallene Überraschung hatten wir ein besonderes Erlebnisgeschenk eingeplant: Wildwasser-Rafting.

Zu neunt stürzten wir uns im oberbayrischen Bad Tölz ins Rafting-Vergnügen ohne auch nur einen blassen Schimmer zu haben, worauf wir uns da einlassen. Denn keiner von uns war davor schon ‚‚richtig“ raften. Das war jedoch kein Grund zur Sorge, denn die Rafting-Strecke auf der Isar zwischen Lenggries und Bad Tölz vor dem schönen Panorama der bayrischen Alpen ist für Rafting-Neulinge wie gemacht: es gibt kaum wirklich gefährliche Stellen und die Isar ist an dieser Stelle weitgehend sehr flach.

Außerdem ist auf jedem Schlauchboot ein ausgebildeter Rafting-Guide mit dabei. Darum ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Rafting-Touren hier schon ab 9 Jahren angeboten werden. Aber bekanntermaßen können erwachsene Männer manchmal größere Schisser sein, als Grundschulkinder – ich rede hier selbstverständlich nicht von mir!

Vorbereitung zum Rafting: Quäl dich in die Weißwurstpelle!

Gerade hatten wir noch echt bayrisch gefrühstückt, mit Brezen und Weißwürsten, als wir uns auch schon selbst in Wurstpellen zwängen mussten. Der Startpunkt unseres Rafting-Abenteuers war das Outdoor-Center in Bad Tölz (zugleich auch der Endpunkt der Tour), wo man die passende Ausrüstung und eine erste Einweisung bekommt.

Selbst mitbringen sollte man eine Badehose oder Shorts die nass werden kann und wer feste Schuhe hat, die ruhig ins Wasser dürfen, kann sie auch tragen. Sonnencreme ist an heißen Tagen ein absolutes Muss!

Über die Badehose (und wenn man will ein T-Shirt) zieht man dann die Weißwurstpelle alias Neoprenanzug und darüber eine Schwimmweste. Den Kopf schützt man mit einem Helm und dann sollte man sich am Besten auch ein Paddel greifen – ohne dieses ist die Navigation beim Rafting nämlich schwierig… 😉

Ich hatte keine wasserfesten Schuhe dabei, was sich im Nachhinein als Vorteil erwies. Man kann beim Rafting-Anbieter auch Neoprenschuhe ausleihen (3 €), die die Füße sehr viel wärmer halten als andere Schuhe. Selbst an einem so sonnigen und heißen Sommertag (ca. 30° C) wurde es einigen meiner Freunde im Flusswasser ziemlich kalt an den Füßen. Besagte Neoprenschuhe sind also unbedingt empfehlenswert!

Die Rafting-Tour

Rafting ist ein echtes Abenteuer, bei dem man schon mal ganz schön nass wird
Das Abenteuer auf dem Wildwasser

Nachdem alle passend ausgerüstet und eingekleidet waren, wurden wir mit einem Bus zum Einstieg der Tour bei Lenggries gefahren – 3 Bootsbesatzungen insgesamt. In ein Boot passen maximal 11 Mann – wir waren mit unserem Guide zusammen 10 Leute im Boot.

Der Bootsführer war ein witziger älterer Bayer, der uns beim ‚‚safety talk‘‘ alles Wichtige erklärte. Der‚‚safety talk‘‘ umfasst auch ‚‚Trockenübungen‘‘, bei denen das Rafting-Schlauchboot noch auf dem Kiesbett steht. Hier lernt man erstmal die Befehle – oder freundlicher ausgedrückt: dringende Empfehlungen – des Guides zu befolgen. Außerdem übt man, im Gleichtakt zu paddeln, das ist gar nicht so leicht! und seine Freunde am Neoprenanzug aus dem Wasser ins Boot zu ziehen (sehr lustig das an Land zu üben) und das Boot zu wenden (was bei der Probe auf einem Kiesbett hauptsächlich theoretisch vollzogen wird). Endlich waren wir dann so weit und ließen das Boot zu Wasser!

Ab geht’s ins spritzige Vergnügen – Wildwasser Ahoi!

Beim rafting auf der Isar bei Bad Tölz befährt man das Wildwasser mit einem erfahrenen Guide
Rafting auf der Isar

Wir paddelten eine kurze Strecke zur Eingewöhnung auf dem Wildwasser. Zunächst glitten wir über eher sanfte bis mittelschnelle Wellen und Strömungen. Das war gut, denn erstmal mussten wir noch üben das Boot auf Kurs zu halten. Komischerweise paddelte die linke Seite mit 4 Mann kräftiger als die rechte Seite mit 5 Mann (der 10. Mann, unser Bootsführer, saß hinten in der Mitte). Wer hat sich da auf die faule Haut gelegt?

Schon nach kurzer Zeit erreichten wir den ersten Höhepunkt der Rafting-Tour, den sogenannten kleinen Isar-Katarakt. Diese mehrstufige Stromschnelle befuhren wir dann auch gleich zwei Mal!

Zunächst auf der rechten, harmloseren Seite, dann navigierte uns der Bootsführer ans Ufer und wir trugen unser Floß ein Stück zurück, um den Spaß noch einmal zu genießen. Diesmal lenkten wir das Boot in die Mitte, wo es mehr Steine gibt und die Abfahrt etwas holperiger wird. Und umso spaßiger natürlich!

Rammen, Entern, Nassspritzen – A bissl Gaudi derf scho sei!

Immer Rücksicht auf die anderen Rafter nehmen! Keinen Unsinn treiben und schon gar nicht Leute ins Wasser schubsen! – Wer mit solchen Regeln beim Rafting rechnete, täuschte sich bei dieser Rafting-Tour gewaltig. 🙂

Ganz nach dem Motto: ‚‚A bissl Gaudi derf scho sei!“, ermunterte unser Bootsführer uns sogar dazu, die anderen beiden Boote zu rammen, zu entern, Leute heraus und zu uns rüber zu ziehen, nass zu spritzen oder sogar ins Wasser zu schmeißen. Die perfekte Gelegenheit für freundschaftliche Rangeleien – genau das Richtige also für einen Junggesellenabschied… 😉

Schiffsmast spielen, einfach treiben lassen und die Kunst, ein Boot an die Wand zu setzen

Wer nach dem Anschauen von Quentin Tarantinos Film ‚‚Death Proof“ schon immer mal Schiffsmast spielen wollte, hat beim Rafting die Gelegenheit dazu. Was sonst nur Stuntmen im Straßenverkehr versuchen sollten, kann man beim Rafting auf deutlich ungefährlichere Weise ausprobieren.

An ruhigen Stellen der Isar spielten wir Schiffsmast. Einer von uns stieg vorne auf das Boot und hielt sich an dem dort befestigten Seil fest, das sonst zum herausziehen und festbinden des Bootes dient. Die anderen paddelten mit voller Kraft im Kreis, das heißt: rechts vorwärts und links rückwärts oder umgekehrt. Lange konnte sich allerdings keiner als Schiffsmast halten, sondern plumpste ins kalte Wasser der Isar.

An mehreren Stellen konnte man sich im Wasser entspannt in den Schwimmwesten von der Strömung treiben lassen und dabei in den blauen Himmel schauen. Weitere Highlights unserer Raftingtour waren eine Affenschaukel, das mehr oder weniger unfreiwillige ‚‚Überfahren“ eines Baumstumpfs (‚‚Des hält des Boot scho aus“) und der Sprung von einer Staustufe an einer tiefen Stelle der Isar.

Als wir wieder ins schöne Bad Tölz kamen, waren wir kurz vorm Ziel. Dort schauten uns vom Ufer Touristen und einheimische Spaziergänger interessiert beim Rafting zu. Klar, dass ausgerechnet vor Publikum ein Malheur passierte: wir boten all unsere Kräfte der Ungeschicklichkeit auf und setzten das Boot in einer schwungvollen Kurve gegen die Ufermauer. ‚‚I moch des scho droißig Joahr, aba ihr seids die erstn die des g’schofft ham!“, kommentierte unser Bootsführer kopfschüttelnd.

Fazit – Rafting ist der ultimative Wasserspaß

Unterm Strich war die Rafting-Tour eine der geilsten Outdoor-Freizeitaktivitäten, die ich bisher gemacht habe und ist unbedingt jedem zu empfehlen, der keine Wasserallergie hat! Und das Beste: die Tour kann bei jedem Wetter stattfinden – nass wird man sowieso 🙂

Habt ihr Lust auf’s Rafting bekommen? Die Wildwasser-Tour auf der Isar, die wir gemacht haben, kann man übrigens zwischen Mai und Oktober für 43,-€ buchen. 

Lust auf weitere Tipps für die Freizeitgestaltung in und auf dem Wasser? Bei Abenteuer Freundschaft findest du eine Top 10 Liste mit den Freizeitaktivitäten für Wasserspaß.