Geile Videos drehen ist einfacher als du denkst. Wir erklären dir die wichtigsten Basics, auf die es ankommt.

Gute Videos drehen ist sehr aufwändig und extrem kompliziert? Von dieser Vorstellung kannst du dich sofort verabschieden! Mit unserer Basis-Anleitung können du und deine Freunde sofort loslegen und selber gute Videos drehen.

Irgendetwas mit dem Smartphone zu filmen gehört heute zu den alltäglichsten Freizeitaktivitäten: schon Kinder filmen sich und andere ganz selbstverständlich mit dem Handy. Aber einfach irgendwo das Smartphone drauf zu halten und ein bewegtes Bild aufzunehmen, macht noch keinen guten Film.

Richtig gute Videos drehen, will gelernt sein! Damit dein Film gut wird und du ihn stolz herzeigen kannst, solltest du ein paar Dinge wissen und beachten. Aber keine Angst, es ist nicht schwer gute Videos zu drehen, denn du kannst dir in Kürze ein paar Basics aneignen.

Die Autoren dieses Artikels haben beide schon für’s Fernsehen gearbeitet und kleine Videos zu drehen zählt auch in unserer Freizeit zu unseren liebsten Beschäftigungen. Bestimmt hältst du in manchen Situationen auch mal mit dem Smartphone drauf und filmst etwas als Erinnerung, etwa am Geburtstag eines Freundes, bei einem besonderen Ausflug oder im Urlaub. Dabei geht es dann meist in erster Linie darum, den Moment festzuhalten.

Manchmal soll ein Video aber einfach richtig gut aussehen und ein bisschen was hermachen, z.B. wenn dein Film ein Geschenk für jemanden ist, du es auf YouTube hochladen willst, es für ein Projekt oder eine Bewerbung verwenden möchtest oder du zusammen mit Freunden einfach einen Kurzfilm drehen willst. Ich kann dir versichern: gute Videos drehen ist kein Hexenwerk und es macht irrsinnig Spaß!

Wichtiger Tipp: Was für ein Video auch immer du drehen willst – such dir Verstärkung bei Freunden, die Lust haben, daran mitzuwirken. Nicht nur bei den großen Hollywood-Produktionen, auch bei einem Geburtstags- oder Urlaubsvideo oder dem ersten eigenen Kurzfilm gilt: mit einem guten Team ist fast nichts unerreichbar!

Bevor du und deine Freunde loslegen Videos zu drehen, solltet ihr euch folgende Fragen stellen und sie gemeinsam klären:

Videos drehen –  13 Fragen die du dir vorher stellen solltest

  1. Was für eine Art Video soll es werden? (Geburtstagsvideo, YouTube-Clip, Erklärvideo, Kurzfilm, Projektfilm für die Uni etc.)
  2. Welches Budget habe ich / haben wir? No-Budget ==> Low-Budget ==> Tante Ernas Erbschaft verpulvern… ? 😉
  3. Wer führt Regie? Wer führt die Kamera? Wer macht den Schnitt?
  4. Wer soll vor der Kamera auftreten (als Schauspieler, Komparsen, Interviewpartner, Gratulanten zum Geburtstag etc.)? Sind diese Menschen damit einverstanden?
  5. Was für Requisiten brauchen wir?
  6. Wo drehen wir überhaupt? Gibt es mehrere Drehorte? Dürfen wir dort ohne Genehmigung drehen?
  7. Wie soll der Look, die Atmosphäre, die Wirkung des Videos sein?
  8. Wann drehen wir das Video und wann schneiden wir es? (In welchem Zeitraum? An welchen Tagen konkret? Was ist der Zeitplan? Wann soll der Film spätestens fertig sein?)
  9. Verwendung? Was soll mit dem Video passieren, wenn es fertig ist? (Private Vorführung? Öffentliche Vorführung? YouTube? Bewerbung? Kommerzielle Verwertung offenhalten? etc.)
  10. Mit welcher Kamera drehen wir? Haben wir überhaupt schon eine Kamera?
  11. Was für technisches Equipment brauchen wir noch? (Mikrofon, Licht, Stativ etc.)
  12. In welchem Format zeichnen wir auf?
  13. Auf welchem Rechner und mit welchem Schnittprogramm bearbeiten wir das Videomaterial hinterher?

Kläre alle 13 Punkte ab, bevor du anfängst zu drehen. Du solltest auch daran denken, die Aufgabenverteilung und eventuelles Mitspracherecht der Beteiligten abzuklären, damit man Uneinigkeiten und Missverständnisse beim Dreh von vornherein ausschließt.

Videos drehen – 11 häufige Anfängerfehler beim Dreh und wie du sie vermeidest

1. Ihr dreht jede Szene nur einmal

Kennst du den Horrorfilm The Shining? Die Szene wo Jack Nicholson als wahnsinniger Familienvater mit der Axt ein Loch in die Tür haut, durch den Spalt grinst und sagt: Here is Johnny!, hat Regisseur Stanley Kubrick angeblich 127 (!) mal gedreht, bevor er damit zufrieden war!

Ganz so oft müsst ihr jede Szene eures ersten Films natürlich nicht drehen. Aber mehr als ein Take (= durchgängige Aufnahme) einer Szene ist das Minimum, wenn ihr gute Videos drehen wollt. Auch wenn ihr das Gefühl habt, ihr hättet auf Anhieb die perfekte Szene im Kasten – wenn die Zeit da ist, dreht die Szene lieber zur Sicherheit ein zweites Mal!

2. Ihr dreht Szenen nur aus einer Perspektive

Bei professionellen Filmproduktionen wird eine Szene nie mit nur einer Kamera gedreht. Ihr habt aber nur eine Kamera? Auch kein Problem! Ihr dreht jede Szene eures Films einfach aus mehreren Perspektiven, um nachher im Schnitt professionell umschneiden zu können! Ohne mehrere Bilder aus verschiedenen Perspektiven fehlen euch gute Bilder und das sieht man dem Endergebnis an. Minimum sind 2 Perspektiven: einmal eher close (Großaufnahme zB. des Gesichts) und einmal eher total (ganzer Körper).

Wenn ihr eine Dialogszene dreht, bei der sich zwei Menschen gegenüber sitzen oder stehen, könnt ihr auch den klassischen Schuss-Gegenschuss benutzen. Das heißt, ihr filmt 3 Perspektiven! Die erste Perspektive ist die Totale, sie zeigt die gesamte Dialogsituation, z.B. einen Tisch, an dem sich Person A links und Person B rechts im Bild gegenübersitzen. Wenn A etwas wichtiges sagt oder der Gesichtsausdruck zählt, filmt ihr sein Gesicht über B’s linke Schulter und umgekehrt B’s Gesicht über A’s rechte Schulter. Wichtig ist beim klassischen Schuss-Gegenschuss, dass die Kamera nicht plötzlich auf die andere Seite der Achse zwischen den beiden Personen springt.

3. Ihr dreht ohne Plan einfach los

Learning by Doing – das gilt auch fürs Videos drehen bzw. Filme machen. Allerdings ist es sinnvoll, bevor ihr eine Kamera in die Hand nehmt und einfach losdreht, ein Drehbuch zu schreiben. Klingt aufwändig und unsexy? Dann schreibt zumindest einen groben Ablaufplan oder Stichpunkte schriftlich fest und notiert was ihr filmen wollt.

Selbst wenn ihr Dialoge in eurem Film improvisiert oder gar kein gesprochenes Wort in eurem Film vorkommt, weil ihr zum Beispiel einen Film über euren Hund dreht – ein Drehbuch oder Ablaufplan hilft immer!

Durch das Aufschreiben wird klarer, was die Grundidee ist und wo du / ihr mit eurem Film hinwollt. Außerdem hilft ein Drehbuch euch, beim Dreh eures Videos, den Überblick zu behalten und vor allem nichts zu vergessen, das ihr drehen wollt. Auf einem ausgedruckten Ablaufplan oder in einem Drehbuch könnt ihr auch super abhaken, was bereits im Kasten ist und euch schon Notizen für den Schnitt machen, z.B. welches Take euch spontan am Besten gelungen schien.

5. Ihr vergesst, genug Schnittbilder zu drehen

Geile Videos Drehen Tipp 5: Immer an genug Schnittbilder denken.
Beim Videos Drehen auch an Schnittbilder denken

Ein gut gemachtes Video hebt sich dadurch von anderen ab, dass der Schnitt flüssig wirkt und nicht abgehackt.

Das erreicht ihr, indem ihr jede Szene mehrmals und aus mehreren Perspektiven dreht und zusätzlich zu jeder Szene sogenannte Schnittbilder (Inserts) dreht!

So nennt man Bilder für Zwischenschnitte, die meistens Close-Ups von Gegenständen aus einer Szene oder von Händen und Füßen der Personen sind: z.B. Hand hebt eine Kaffeetasse, Ninas Füße laufen über knarrenden Boden, Uhr an der Wand tickt, Hände gestikulieren, Wasserhahn tropft etc..

Schnittbilder erleichtern euch später den Schnitt, weil ihr auf diese Bilder umschneiden könnt um zwei andere Bilder zu verknüpfen, die direkt hintereinander einen Jump Cut (ungewollter Sprung im Bild) verursachen oder einfach komisch wirken würden.

Gute Schnittbilder sorgen auch für bildliche Abwechslung und einen runderen Film, wenn sie inhaltlich passen. Bei einer hitzigen Diskussion macht zum Beispiel ein Close-Up auf die gestikulierenden Hände einer der Personen als Schnittbild Sinn. Ein Umschnitt auf eine tickende Uhr eignet sich, wenn in der Szene jemand auf etwas wartet oder wenn die Zeit knapp wird.

6. Eure Kamera ist verwackelt

Eines der deutlichsten Anzeichen, dass ein Video bzw. ein Film von Laien gedreht wurde, ist wenn es völlig verwackelt ist! Zwar wird eine wackelige Kameraführung auch in manchen professionellen Filmen als Stilmittel eingesetzt, aber für den Anfang raten wir euch beim Videos drehen davon ab. Denn meistens sieht Wackelkamera eben nicht nach Dogma-Stil aus, sondern einfach nur nach nicht gekonnt.

Verwendet für eure Kamera ein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage. Falls ihr mit einem Smartphone filmt – benutzt Selfie Sticks! Es ist sehr schwierig eine wirklich gute Handkamera zu führen und niemand zwingt euch, euch darin mit den Profis zu messen. Manchmal bietet es sich an mit einer Action Cam wie der Go Pro bewegt zu filmen. Diese sollte dann aber auf einem Mini-Stativ bzw. an einem Halterungsarm befestigt werden, um Gewackel zu minimieren.

Beim Videos drehen sollte man darauf achten, möglichst keine Wackelkamerabilder zu produzieren.
Go Pro auf Ministativ am Handgelenk – Videos drehen ohne hässliches Gewackel

7. Ihr bewegt die Kamera zuviel

Kamerabewegungen und Zooms können wirklich tolle Stilmittel sein und es gibt große Regisseure, die es darin zur Meisterschaft gebracht haben, sie einzusetzen. Aber das sind Meister ihrer Kunst und es ist als Hobbyfilmer alles andere als leicht, dass das Ergebnis zufriedenstellend aussieht!!!

Darum mein Rat: Verzichtet als Anfänger völlig auf Zooms und verwendet Kamerabewegungen äußerst sparsam! Es ist ein typischer Anfängerfehler mit der Kamera zu viel herumzuschwenken. Meistens sieht das Bild dann unruhig und unprofessionell aus. Und ihr bekommt im Schnitt Probleme, weil ihr kein Bild flüssig ans andere schneiden könnt!

Tipp: Filmt Szenen größtenteils statisch, aber dafür aus mehreren Perspektiven und sorgt lieber in der Postproduktion mit Schnitten für Tempo und Abwechslung im Bild!

8. Ihr vergesst auf Anschlüsse zu achten

Ebenfalls ein häufiger Anfängerfehler beim Videos drehen und einer der Gründe, warum Filme oft unprofessionell wirken, sind sogenannte Anschlussfehler. Diese entstehen, wenn man zum Beispiel Szenen die im Film direkt hintereinander stattfinden, an mehreren Tagen dreht und die Menschen, die vor der Kamera zu sehen sind, jedesmal etwas anderes anhaben. Oder eine deutlich andere Frisur. Oder die Möbel in einem Raum stehen plötzlich anders.

Es gibt tatsächlich so viele Details bei der Continuity zu beachten, dass es beim professionellen Film einen extra Job dafür gibt: Continuity Supervisors sind nur dafür zuständig auf Continuity zu achten. Und trotzdem finden sich sogar in den größten Hollywoodfilmen manchmal kleine Continuityfehler!

Wenn ihr aber versucht beim drehen eures Videos auf Continuity zu achten, könnt ihr schon mal die gröbsten Schnitzer vermeiden! 😉

9. Ihr vernachlässigt die Beleuchtung

Klar: professionelles Licht-Equipment werdet ihr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Verfügung haben. Aber wenn ihr gute Bilder wollt, solltet ihr darauf achten, gutes Licht zu haben. Wenn ihr nicht gerade bei strahlendem Sonnenschein draußen Videos dreht, solltet ihr euer Set gut ausleuchten, denn sonst werdet ihr später im Schnitt enttäuscht feststellen, dass euer Rohmaterial zu dunkel ist.

Ein zu dunkles Videobild kann man dann zwar noch in der Postproduktion aufhellen, aber dadurch wird es meist ziemlich körnig: man sieht es dem Bild an, dass es nachträglich bearbeitet wurde.

Versucht also schon beim Videos drehen so gutes Licht wie möglich zu haben!

Tipp: Macht beim Dreh bei jeder neuen Beleuchtungssituation einen Weißabgleich. Ihr haltet ein weißes Blatt Papier vor die Linse und drückt die Taste für automatischen Weißabgleich an eurer Kamera. So geht ihr sicher, dass Farben naturgetreu abgebildet werden. Zwar gibt es in allen professionellen Schnittprogrammen auch die Möglichkeit nachträglich eine Farbkorrektur zu machen, aber die besten Ergebnisse erzielt ihr, wenn ihr gleich beim Dreh darauf achtet.

10. Ihr schießt euch aus Versehen selbst ab

Nein, damit meine ich nicht, dass ihr euch gegenseitig umbringt wie in einem Western! So nennt man das, wenn das Filmteam sich aus Versehen selbst in einer Spiegelung filmt. Und das passiert leichter, als ihr vielleicht denkt, denn Spiegelungen lauern überall!

Achtet also darauf, ob irgendwo im Bild spiegelnde Flächen sind und ob darin ihr selbst, die Kamera oder etwas zu sehen ist, was nicht zu sehen sein soll.

11. Ihr achtet beim Video drehen nicht (genügend) auf den Ton

Ist der Ton für euren Film wichtig? Wenn ihr nur bewegte Bilder braucht und sie dann zum Beispiel mit Musik unterlegen wollt, braucht ihr euch um den Ton nicht zu sorgen.

Aber: wenn ihr ein Video dreht, in dem ihr einem Freund ein Geburtstagsständchen vorsingt oder einen Kurzfilm mit Dialogen aufzeichnet, dann empfehlen wir, den Ton mit einem separaten, guten Mikrofon aufzunehmen! Auch für die Actionkamera GoPro oder Smartphone gibt es preiswerte Mikrophone, die für einen großen Unterschied sorgen.

Je nachdem wie ihr euren Film akustisch gestaltet, könnt ihr verschiedene Tonspuren auch nach dem Dreh aufnehmen, z.B. einen gesprochenen Kommentar zum Urlaubsvideo, Soundeffekte oder Musik.

Tipp: Vor dem Dreh überlegt ihr euch, wie ihr euch die Tonspur vorstellt und was ihr direkt beim Dreh aufnehmen wollt bzw. müsst.

Wenn du diese Tipps beim Videos drehen berücksichtigst, steht einem guten Ergebnis fast nichts mehr im Weg! Schau dir auch den Teil #2  unserer Einführung Geile Videos drehen an für Tipps für den Schnitt bzw. die Postproduktion!