Mit Freunden Kontakt zu pflegen ist nicht immer einfach...

‚‚Heute ist doch ziemlich schlecht, sorry. Aber ich meld‘ mich dann später… also demnächst… Bis ganz bald!‘‘ schreibt sie mir bei Whatsapp. Zum mindestens fünften mal in Folge, nachdem sie eine geplante Verabredung wieder platzen ließ. Mit Freunden Kontakt zu halten, ist nicht immer einfach.

Sie, das ist eine Freundin von früher – es ist jetzt schon einige Jahre her, da waren wir Kollegen und sahen uns täglich bei der Arbeit, freundeten uns an und verbrachten auch einen großen Teil unserer Freizeit zusammen. Dann verschlug es uns in verschiedene Städte. Wir hielten natürlich Kontakt, besuchten uns anfangs auch mal gegenseitig, aber lange Zeit hörten wir dann gar nichts mehr voneinander. Nicht weil plötzlich irgendetwas zwischen uns gestanden hätte, nein. Es lief einfach, wie es oft läuft: jeder von uns war ganz von seinem Alltagsstress, seiner aktuellen Lebenssituation, seinem Umfeld absorbiert.

Ich weiß, dass es anderen mit manchen Freunden ganz genauso geht. Niemand meint das böse – no hard feelings, wie man so sagt – aber man meldet sich irgendwann einfach nicht mehr. Zum Geburtstag postet man dann auf die Facebook-Pinnwand des anderen etwas wie: ‚‚Alles, alles Gute meine Liebe!! Wir haben uns ja ewig nicht gesehen!!!‘‘

Ja, stimmt – ewig nicht gesehen! Auch ewig nicht gehört. Die oder der Andere ist eben fern, und das ganz konkret räumlich: in einer anderen Stadt. Aber obwohl diese Freundin und ich jetzt schon seit ein paar Jahren wieder in derselben Stadt wohnen, und das gar nicht mal so weit voneinander, haben wir es bisher nur zwei oder dreimal geschafft uns zu sehen. Warum ist das nur so?

Die Kunst, mit Freunden Kontakt zu halten

Gut, ich bin ehrlich: ich bin auch nicht der Mensch, der sich bei seinen Freunde jeden Tag oder auch nur jede Woche meldet. Selbst bei meinen besten Freunden nicht, die mir wirklich am Herzen liegen. Das gebe ich sofort zu.

Viele meiner Freunde leben in anderen Städten Deutschlands, teils auch im Ausland. Ich selbst bin schon oft in meinem Leben umgezogen, überall habe ich tolle Menschen kennen gelernt. Aber es ist unmöglich mit allen soviel Kontakt zu haben, wie zu den Zeiten, als man sich fast täglich sah. Als man gemeinsam zur Schule ging, studierte, Praktika absolvierte, arbeitete, reiste… Und für eine gewisse Zeit die gleichen Probleme und Sorgen teilte. Als man die gleichen Leute kannte und zu den gleichen Partys ging…

Die Wege der Freunde sind unergründlich

Spätestens am Ende der Schulzeit macht fast jeder diese Erfahrung: Kumpels mit denen man bis dato ständig abhing, sieht man plötzlich kaum noch. Denn egal ob Ausbildung, Studium, Auslandsjahr oder direkt ins Berufsleben – jeder verfolgt jetzt seinen eigenen Weg, viele ziehen über kurz oder lang woandershin.

Und das Gleiche gilt genauso für jeden weiteren Übergang von einer Lebenssituation in eine andere: Ende der Ausbildung / des Studiums, Wechsel des Arbeitgebers, Umzug, Eintritt in eine andere Lebensphase,  Ehe, Familie….

Dazu kommt noch: selbst bei Freunden, die noch in der gleichen Stadt wohnen, fällt oft der gemeinsame Alltagskontext weg. Man teilt einfach nicht mehr die gleichen Erfahrungen, bewegt sich nicht mehr im gleichen Umfeld. Und sogar manche vermeintlich unzertrennliche Freundschaft verläuft sich dann auf diese Weise mit den Jahren.

Freunde für’s Leben – Das Gefühl, als wär’s erst gestern gewesen

Das alles muss aber nicht dazu führen, dass eine Freundschaft auseinander bricht oder sich verläuft! Es gibt sie nämlich durchaus: die besten Freundinnen oder Freunde, die sich seit dem Kindergarten kennen und täglich miteinander telefonieren, skypen oder zumindest intensiv chatten, auch wenn sie gerade am anderen Ende der Welt sind. Ich kenne selbst solche Beispiele aus meinem Freundeskreis. Aber das ist selten, ein schöner und besonderer Ausnahmefall.Wer so eine Freundschaft hat, sollte sich dessen bewusst sein, wie besonders diese Freundschaft ist!

Es ist für eine gute Freundschaft auch kein Muss, ständig in Kontakt zu sein. Gerade vor Kurzem habe ich wieder einige meiner Schulfreunde getroffen, die ich jetzt nur noch zwei oder dreimal im Jahr sehe. Auch sonst telefonieren wir selten. Trotzdem ist der Grad unserer Freundschaft kein bisschen weniger geworden. Wenn wir uns sehen, ist es so, als wäre es zuletzt erst gestern gewesen. Wir verstehen uns genauso gut wie früher, auch wenn wir jetzt alle woanders wohnen und andere Jobs haben.

Aber immerhin sehen wir uns ab und zu. Telefonieren ab und an. Denn dann gibt es eben auch noch die Gruppe der unsichtbaren Freunde. Das sind die, an die ich eigentlich genauso oft denke. Weil sie mir eben wichtig sind, weil sie in einer wichtigen Phase meines Lebens sehr enge Freunde waren, weil ich gerne mit ihnen in Kontakt bleiben möchte, sie wenigstens ab und zu mal sehen oder sprechen möchte. In fast schon regelmäßigen Abständen fallen mir diese Freunde ein und meistens ergreife ich dann auch gleich die Initiative: ich schreibe sie an, rufe sie an, frage, wann wir uns denn mal nach Ewigkeiten wieder treffen…? Oder zumindest telefonieren?

Die Unsichtbaren Freunde

So war es auch bei der anfangs erwähnten Freundin. Ich schrieb ihr mehrfach, dass es doch schön wäre, sich mal wieder zu sehen. Sie schrieb mir auch immer zurück, spätestens ein, zwei Tage später. Die Antwort war jedes Mal ähnlich. Etwas wie: ‚‚Super gerne!!! Sollten wir unbedingt bald machen. Ist nur gerade recht stressig bei mir. Aber wie wäre es übernächste Woche Donnerstag?‘‘

Ich habe immer sehr großes Verständnis dafür, dass es nicht sofort geht, denn ich kenne Arbeits- und Freizeitstress gut genug. Wer nicht? Manchmal konnte ich an dem von ihr vorgeschlagenen Termin selber nicht, dann fanden wir einen anderen, an dem wir beide voraussichtlich Zeit hatten. Ich trug mir dann den Termin für das Treffen in meinen Kalender ein. Ich nehme stark an, sie tat das auch.

Wenn es dann soweit war, hat sie die letzten Male aber immer kurz davor abgesagt: es sei jetzt unerwartet noch enorm stressig auf der Arbeit geworden, etwas dazwischen gekommen, bitte nicht böse sein!!!

Nein, bin ich nicht. Natürlich bin ich nicht böse, ich finde es nur schade. Aber das Treffen ist ja nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, schreibt sie. Sie meldet sich auch ganz bald bei mir, schreibt sie. Wir holen das ganz bald nach, also ganz demnächst, schreibt sie. So bald wie möglich eben. Asap.

Dann höre ich wieder wochenlang nichts von ihr und denke selbst eine Weile nicht mehr daran. Irgendwann fällt mir dann zufällig etwas aus der Vergangenheit ein, aus genau dieser Lebensphase, in der wir so viel miteinander zu tun hatten und ich denke: ich sollte sie mal anschreiben und fragen, wann wir uns denn jetzt endlich treffen. Und so geht die Schleife von vorne los…

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Sie ist nicht die einzige meiner Unsichtbaren Freunde, wie ich sie jetzt nenne. Es sind die Freunde, die ich wirklich gerne mal wiedersähe. Oder mit denen ich zumindest gerne mal wieder telefonieren würde. Die ich aber nicht sehe. Mit denen ich nicht telefoniere. Und die immer schreiben, sie würden sich zurückmelden und es dann nie tun.

Das Verrückte ist: ich glaube ihnen sogar, dass sie es ernst meinen, wenn sie schreiben: ‚‚Ich melde mich so bald wie möglich bei dir!‘‘ Ich glaube wirklich, sie nehmen sich das ehrlich vor. In dem Moment, wo sie es schreiben, meinen sie es auch. Aber sie vergessen es.

Aus den Augen, aus dem Sinn. Ich bin nicht mehr Teil ihres Alltags und wenn ich mich nicht in Form einer Facebook- oder Whatsapp-Nachricht oder manchmal auch eines klingelnden Telefons in ihr Leben dränge, dann existiere ich nicht darin. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber so ist es. Aber ganz so hart empfinde ich es zum Glück nicht. Denn ich sehe sie trotzdem als Freunde, unsichtbare Freunde eben. Manche haben unsichtbare Freunde ja auch in Kindheit gehabt, meine unsichtbaren Freunde sind immerhin real! Da fällt mir ein, ich sollte mich mal wieder bei ihnen melden. Werde gleich mal jedem von ihnen eine Nachricht schicken: ‚‚Hey du, ewig nicht nicht gesehen, wann treffen wir uns denn mal wieder?‘‘

Wie hälst du es mit deinen unsichtbaren Freunden? Siehst du das genauso wie ich? Ich freue mich über deinen Kommentar, ein Like oder deine Gedanken zum Thema mit Freunden Kontakt zu halten!