Das Ortsschild von Twin Peaks
Twin Peaks (1990-91) © Paramount Home Entertainment

Twin Peaks, die beste Serie aller Zeiten kehrt zurück! Wie, du kennst sie nicht? Höchste Zeit, das zu ändern! Willkommen in einer Welt voller Geheimnisse…

Am 25. Mai startet auf Sky Deutschland die 3. Staffel der legendären Kultserie Twin Peaks – mehr als 25 Jahre nach der Erstausstrahlung der bislang letzten Episode. Warum Twin Peaks so DAMN FINE ist wie der Kaffee im Double R Diner und ein großes saftiges Stück Cherrypie?

  • Weil Twin Peaks dich mitreißen wird wie ein tosender Wasserfall…
  • Weil die Geheimnisse von Twin Peaks dich in ihren Bann ziehen werden wie ein flackerndes Feuer…
  • Weil Twin Peaks dich für immer begleiten wird wie ein sanfter Wind in den Wipfeln der Bäume…
  • Weil du fortan Eulen, Holzscheite und rote Vorhänge mit anderen Augen betrachten wirst…
  • Und weil du dich verlieben wirst. In den Ort, seine Bewohner, seine Straßen und Gebäude, die schönen und schrecklichen Seiten der Stadt, kurz in die Magie von Twin Peaks!

1. Twin Peaks – Ein Ort voller Geheimnisse

Irgendwo hoch in den Bergen des Nordwestens der USA, nahe der Grenze zu Kanada liegt er: der Ort, an dem sich zwei Welten überschneiden – die alltägliche, scheinbar heile Welt einer malerischen Kleinstadt und die dahinter verborgene unheimliche und mystische Welt der Magie, der Geister und Dämonen.

Eines morgens macht Pete Martell am Seeufer in Twin Peaks einen grausigen Fund: den in Plastikplane eingeschlagenen Leichnam der High School-Schönheit Laura Palmer! Der Mord reißt eine tiefe Wunde in die scheinbare Idylle der kleinen Stadt – niemand kann sich erklären, wie hier etwas so Schreckliches passieren konnte.

Das Geheimnis, wer Laura Palmer getötet hat, steht am Anfang aller weiteren Geheimnisse, Rätsel und Mysterien in Twin Peaks. Es ist der Stamm, von dem sich alle weiteren Handlungsfäden wie Äste verzweigen. Und nach dem Willen der Serienerfinder David Lynch (Kultregisseur von surrealen Filmen wie Blue Velvet, Lost Highway, Mulholland Drive) und Mark Frost sollte die Frage nach dem wahren Mörder niemals aufgelöst werden. Auf massiven Druck des Senders ABC taten sie es dann doch in der Mitte der zweiten Staffel.

Aber bis dahin hatten sie mit Twin Peaks bereits ein Labyrinth weiterer Geheimnisse geschaffen, die sich immer weiter verzweigen und die Zuschauer in immer mystischere Regionen entführen.

2. Das magische Welttheater von Twin Peaks

In Twin Peaks passieren ständig surreale und merkwürdige Dinge.
Twin Peaks (1990-91) © Paramount Home Entertainment

Ausgehend von diesem Mordszenario könnte man nun erwarten, Twin Peaks sei eine klassische Krimiserie. Doch diese Schlussfolgerung ist grundfalsch, denn die Serie ist ein wahrer Genre-Hybrid und changiert ständig zwischen Thriller, Komödie, Horror, Seifenoper und echtem Drama und schafft es dabei trotzdem eine vollkommen in sich stimmige Atmosphäre zu erschaffen. Twin Peaks ist, wie das Leben, eine ständige Achterbahnfahrt durch alle Stimmungen und Gefühle. Die plötzlichen Wechsel in der Tonlage von einer zur anderen Szene, oder manchmal sogar innerhalb einer Szene, sind dabei derart kunstvoll inszeniert, dass einem vor Staunen und Bewunderung die Kinnlade herunterklappt.

Die große Kunst von Twin Peaks ist es, eine Art traumhafte Parallelwelt zu erschaffen, die uns als Zuschauern einerseits ganz vertraut und nah vorkommt, in der aber ständig vollkommen surreale und verrückte Dinge geschehen. Menschen beginnen plötzlich ohne Grund zu tanzen, eine einäugige Frau entwickelt nach einem gescheiterten Selbstmord eine enorme physische Kraft, Lauras Mutter wird von unheimlichen Visionen geplagt und ein Major der US Army erhält seltsame Botschaften aus dem Weltall: Die Eulen sind nicht was sie scheinen!

3. Betrüger, Intriganten & Exzentriker – Die liebenswerten Bewohner von Twin Peaks

Die Loglady aus Twin Peaks redet mit ihrem Holzscheit.
Die Loglady aus Twin Peaks (1990-91) © Paramount Home Entertainment

Im Laufe der Ermittlungen zum Mord an Laura Palmer stellt sich schnell heraus, dass sie hinter ihrer Fassade der braven, schönen und allseits beliebten Homecoming Queen einen Abgrund aus selbstzerstörerischen Exzessen verbarg…

Kokainsucht, sexuelle Eskapaden, manipulative Machtspielchen mit mehreren Männern – schon bald ist dem ermittelnden FBI Agent Dale Cooper und dem örtlichen Sheriff Harry S. Truman klar, dass Laura nicht die war, für die sie alle hielten.

Das Gleiche könnte man von nahezu jedem Charakter der Serie sagen. Fast jeder der Bewohner von Twin Peaks hat etwas zu verbergen: von heimlichen Affären über Drogenschmuggel, Prostitution und Erpressung bis zu wahrhaft mörderischen Intrigen. Und einige Figuren haben auch einen offensichtlichen Draht zur Welt des Übersinnlichen: Lauras Mutter hat Visionen von einem diabolisch grinsenden, grauhaarigen Mann, die Log Lady kommuniziert mit ihrem Holzscheit, das sie ständig auf dem Arm trägt und auch Agent Cooper ist mindestens ebenso sehr Mystiker wie scharfsinniger Logiker.

So zählen zu seinen ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden auch ein tibetisches Steinwurf-Orakel und die Fähigkeit in Träumen und Visionen mit Wesen aus einer anderen Welt zu kommunizieren, die im in Rätseln formulierte Hinweise zur Lösung des Falls geben.

Nahezu alle Charaktere der Serie pflegen exzentrische Marotten und zeigen menschliche Schwächen. Und genau das macht die meisten von ihnen durch und durch liebenswert: die einäugige Nadine, die von ihrer Erfindung einer geräuschlosen Vorhangschiene besessen ist, der Psychologe Dr. Jacobi, der alles liebt, was irgendwie mit Hawaii zu tun hat, die naive Rezeptionistin der örtlichen Polizei mit Piepsstimme und viele mehr…

Selbst einige der schurkenhaften Figuren wie etwa die intrigante und geschickt manipulierende Catherine Martell mag man. Zumindest freut man sich über jede Szene mit ihr und genießt, wie sie neue Pläne schmiedet und Intrigen einfädelt. Sie ist ein Beispiel für eine Figur, die eine Reflexion auf die bis dahin in amerikanischen Serien etablierten Klischees darstellt, in ihrem Fall: das manipulative männerfressende Biest. (Man denke an Dallas, den Denver Clan und unzählige amerikanische wie auch deutsche Soap Operas…)

Twin Peaks nimmt solche Klischees und die daran geknüpften Erwartungshaltungen der Zuschauer und spielt damit, verzerrt sie oder parodiert sie. Bei mehr als einem Charakter geschieht dies auch in Form einer Gegenüberstellung mit einer Art von Spiegelfigur.

4. Zwillinge und Doppelgänger

In Twin Peaks hat jeder etwas zu verbergen, auch Mordopfer Laura Palmer.
Laura Palmer – Tot und lebendig © Paramount Home Entertainment

Ein zentrales Motiv, das Twin Peaks bereits im Titel trägt ist das der Zwillinge. Denn die Twins sind hier nicht nur die beiden Berge nach denen der Ort benannt ist. Bald nach Lauras Ermordung taucht Maddy Ferguson im Ort auf, ihre Cousine. Sie hat dunkle, lockige Haare, nicht glatte blonde, ansonsten aber gleicht sie Laura bis aufs Haar, ist deren unheimliche Doppelgängerin (beide werden von Sheryl Lee gespielt).

Aber das ist längst nicht die einzige Form der Doppelung oder Spiegelung einer Figur: Lucy und ihre fast gleich aussehende Schwester, der alte Bürgermeister und sein Bruder, Donna Hayward und Audrey Horne, Dick Tremayne und sein Adoptivsohn, den er immer gleich anzieht wie sich selbst…

Und dann gibt es da noch Mike und Bob, die einstigen Partner im Bösen: zwei dämonische Wesen, die Besitz von Menschen ergreifen und diese zu den schrecklichsten Taten treiben. Mike hat schon lange dem Bösen entsagt und sich den bösen Arm abgetrennt, der jetzt als tanzender Zwerg in Coopers Träumen sein Unwesen treibt. Doch Bob… BOB ist noch da draußen in den Wäldern und nährt sich von Angst und Leid und Tod…

Genug! Mehr wird nicht verraten!! Die gefährliche Reise in die Schwarze Hütte musst du schon selbst unternehmen…

5. Twin Peaks – Die ultimative Kultserie

Twin Peaks - Im Warteraum der weißen und der schwarzen Hütte.
Twin Peaks (1990-91) © Paramount Home Entertainment

Es gibt ein Fernsehen vor und nach Twin Peaks, so einschneidend war die Serie, denn sie setzte in jeder Hinsicht neue Maßstäbe dafür, was Fernsehen kann. Twin Peaks bewies, dass es durchaus möglich war, im Format einer Fernsehserie künstlerisch Anspruchsvolles zu schaffen und damit viele Zuschauer zu begeistern. Damit steht die Serie vielen aktuellen Qualitätsserien der letzten 10 Jahre Pate – Ohne Twin Peaks wäre die viel beschworene goldene Ära der Fernsehserie, in der wir leben, so nicht vorstellbar.

Am Tag nach jeder neuen Folge Twin Peaks sprachen die Menschen im Büro mit ihren Kollegen darüber, versuchten gemeinsam zu deuten, was diese oder jene Wendung nun wieder bedeuten könnte. Es entwickelte sich ein regelrechter Kult um Twin Peaks und Fans trafen sich, um bei Kaffee, Cherrypie und Donuts jede Folge gemeinsam zu zelebrieren.

Twin Peaks wurde zudem das (noch immer unerreichte) Vorbild für alle Mysteryserien die danach kamen: grausame Ritualmorde, okkulte Mächte, mysteriöse Parallelwelten, Botschaften aus dem All – in Twin Peaks war alles schon da, was spätere Erfolgsserien wie Akte X, True Detective oder Stranger Things ausmacht und deren Fans begeistert.

Der Ausflug eines international bekannten Regisseurs wie David Lynch in die Welt des Fernsehens inspirierte außerdem weitere Filmemacher sich der Fernsehserie als Kunstform anzunehmen, so Lars von Trier in den 90ern mit Geister, Frank Darabont mit The Walking Dead und Bruno Dumont mit Kindkind. Andere große Regisseure steuerten zumindest einzelne Episoden zu TV-Serien bei, so David Fincher bei House of Cards und Martin Scorsese bei Boardwalk Empire.

Aber der Einfluss von Twin Peaks ist noch viel weitreichender: moralisch höchst ambivalente oder völlig exzentrische Charaktere, komplexe staffel-überspannende Handlungsbögen, ungewöhnliche Kameraperspektiven und eine Bildsprache, die man eher vom Kino als vom Fernsehen gewöhnt war, plötzliche Stimmungswechsel und schockierende Wendungen – all das gab es vor Twin Peaks kaum oder gar nicht im Fernsehen. Neuere von Kritik und Publikum gleichermaßen geliebte Serien wie Breaking Bad, Game of Thrones und Westworld verdanken Twin Peaks, ein Fernsehmonument gesetzt zu haben, das den kulturellen Boden für diese blühende Serienlandschaft geschaffen hat.

6. Der längste Cliffhanger aller Zeiten

Agent Dale Cooper bei Bob in der schwarzen Hütte in Twin Peaks
Twin Peaks (1990-91) © Paramount Home Entertainment

Und nun, 2017 kehrt Twin Peaks zurück und Fans wie ich kauen sich vor Spannung und unbändiger Vorfreude schon die Finger beider Hände ab. Denn das bisherige Ende der Serie, die letzte Episode der zweiten Staffel, lässt unendlich viele Fragen offen. Es präsentiert dem Zuschauer einen derart riesigen Strauß an fiesen Cliffhangern, dass ich sie ohne Weiteres als schockierendste Serienepisode, die ich kenne, bezeichnen würde. Sie stellt damit sogar einige berüchtigte Schock-Folgen von Game of Thrones in den Schatten.

Das Verrückteste und zugleich Genialste an der Rückkehr von Twin Peaks ist aber, das der Geist von Laura Palmer sie schon prophezeit hatte: We will see us again in 25 years. Nun sind es zwar produktionsbedingt doch 26 geworden, aber ich bin mir sicher, das Warten hat sich gelohnt.



Am 25. Mai stehen bei mir Kaffee und Kirschkuchen auf dem Tisch und meine Augen werden begierig jeden Frame der ersten Episode der neuen Staffel Twin Peaks aufsaugen, wenn es wieder heißt: DIE EULEN SIND NICHT, WAS SIE SCHEINEN!